Ein katholischer Kardinal, der Adolf Hitler in Schutz nahm, der vom Holocaust wusste und dazu schwieg, sich aber im Verborgenen für getaufte Juden einsetzte und Kontakte pflegte zum deutschen Widerstand: Ein nach mehr als zwölf Jahren nun abgeschlossenes und vorgestelltes Forschungsprojekt zu den Tagebüchern des Münchner Kardinals Michael von Faulhaber (1869-1952) zeichnet ein zwiespältiges Bild des prominenten Kirchenmannes.
«Antidemokratische Positionen»
Er habe «während der Weimarer Republik dezidiert antidemokratische Positionen» vertreten und dem NS-Regime gegenüber «in einer ambivalenten Haltung» verharrt, sagt der Projektleiter und frühere Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), Andreas Wirsching.
«Eine wirkliche Legitimität errang die Weimarer Republik in Faulhabers Augen zu keinem Zeitpunkt. Die NS-Ideologie lehnte er als "Häresie" ab, doch Hitler selbst nahm er immer wieder in Schutz.»