Vor 80 Jahren geschah etwas, was eigentlich unvorstellbar war. Wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und des Terrors der Nationalsozialisten gab es mutige Menschen, die wieder jüdische Gemeinden gründeten - und das in Deutschland, nach dem Grauen des Holocaust. «She'erit Hapleta» - der gerettete Rest nannten sich die Jüdinnen und Juden, die überlebt hatten. Ihrem Einsatz ist auch die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern zu verdanken, die am 15. Juli 1945 wiedergegründet wurde, knapp zwei Jahre nach der Auflösung durch die Nationalsozialisten.
Hauptsache weg?
In Deutschland bleiben wollte nach Angaben Wirschings langfristig niemand. «Die meisten dieser entwurzelten Menschen, strebten die Weiterwanderung an, insbesondere nach Palästina oder in die USA. Allerdings konnten oder wollten nicht alle dieser Versprengten Deutschland verlassen, so dass schon früh neue jüdische Gemeinden auf deutschem Boden entstanden, vor allem in der amerikanischen Zone und hier besonders in Bayern», erklärt Wirsching.
Auch Charlotte Knobloch träumte nach Kriegsende von einem Leben in der Ferne. «Ich war ja noch eine Jugendliche und wollte nur weg», sagte sie der dpa. Aber ihr Vater Fritz Neuland habe sich bewusst entschieden, zu bleiben und am Aufbau eines demokratischen Deutschland mitzuwirken.
Jüdisches Leben gehört zu Deutschland
Rechtsanwalt Neuland gründete die Kultusgemeinde in München mit. «Er war auch der Überzeugung, dass jüdisches Leben zu Deutschland gehört. Das sahen damals die meisten jüdischen Menschen anders», erinnert sich Knobloch, die von einer ehemaligen Hausangestellten ihrer Familie vor den Nazis versteckt worden war. «Ich sage heute: Seine Entscheidung war richtig.»