Markus Söder genießt seine neue Rolle. Seit klar ist, dass die Union im Bund die unbequeme Oppositionsrolle gegen die begehrten Plätze auf der Regierungsbank eintauschen kann, blüht der Franke regelrecht auf. Obwohl die Koalitionsverhandlungen mit CDU und SPD alles andere als einfach waren: Mit ihnen hat der 58-Jährige die ihm seit dem gescheiterten Anlauf auf die Kanzlerkandidatur anhaftende (und genauso vehement bestrittene) Müdigkeit endgültig abgestreift. Zu hören auch bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags, als Söder für Sätze wie «Sie werden von mir hören» viele Lacher erntete.
Jetzt ist Söder zurück auf den großen Bühnen
Nun ist Söder zurück auf den großen Bühnen. Im Inland hat er sich qua Vertrag eine überaus mächtige Rolle im Koalitionsausschuss von Union und SPD hinein verhandelt, welche verhindert, dass er im fernen Bayern übergangen werden kann: Regelmäßig, möglichst monatlich, will sich das Spitzengremium treffen. Was noch wichtiger ist: «Die Koalitionsparteien werden sich einvernehmlich auf die Besetzung des Koalitionsausschusses verständigen.» Soll heißen, Söders Willen ist auch für Kanzler Merz und den Regierungsfrieden überaus relevant.
Auch außenpolitisch ist Söder - und hier kam dem Franken ein wenig der Zufall zu Hilfe - in einer nennen wir es erweiterten Rolle unterwegs. Im heißen Indien präsentiert sich Söder dieser Tage deutlich mehr als Bundes- denn als Landespolitiker. So spricht er sich staatsmännisch unter Berufung auf die neue Koalition nicht nur für mehr Waffenexporte aus - auch die von der EU erhoffte Freihandelszone mit Indien macht Söder zum Kernthema seiner Reise. Strategisch formuliert unter Verweis auf Absprachen mit Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU).
Einziger Wermutstropfen: Wegen eines Magen-Darm-Infekts muss Söder die Reise abbrechen, bevor er in die bayerische Partnerprovinz Karnataka weiterreisen kann.