Aufsteigen will Markus Söder nicht. Weder auf Valentino noch auf Casanova oder Micky Maus. Als der bayerische Ministerpräsident den Sonnenaufgang zum Tag der Deutschen Einheit unweit der Pyramiden von Gizeh begrüßt, sind die drei Kamele nicht weit. «Nein, ich will nur daneben stehen», sagt der CSU-Chef zum Führer der offenkundig nur für seinen Besuch bestellten Wüstenschiffe. Denn außer Söder und seiner Delegation ist zu dieser frühen Stunde noch niemand am Weltwunder zu Gast.
Politische Gespräche auch mit Fokus auf Krise in Nah-Ost
Doch Söder ist nicht nur wegen der zweifelsohne imposanten Pyramiden, der Sphinx oder der Kamele ins sommerlich heiße Nordafrika gereist. Vielmehr versteht er - wie schon seine Vorgänger - seine Reise als eine Mischung aus bayerischer Außenpolitik und Türöffner für die bayerische Wirtschaft. Und die ist hier auch schon fleißig am Werk: Siemens ist federführend beim Bau eines milliardenschweren Schienen-Infrastrukturprojekts durch die Wüste.
Ägypten bietet sich Bayern als Partner an, denn das politisch - zumindest im Vergleich zur übrigen Region - recht stabile Land könnte bald auch dank Solar- und Windkraft grünen Wasserstoff liefern. Söder hofft auch auf dringend benötigte Fachkräfte. Umgekehrt hoffen die Ägypter auf frisches Kapital für die zahllosen gigantischen Bauvorhaben.
Gigantische Bauvorhaben bis hin zur Olympiabewerbung für 2036 und 2040
So wird etwa rund eine Stunde westlich von Kairo die neue Stadt «Neu Kairo» aus dem Wüstenboden gestampft. Sechs Millionen Menschen sollen hier mal leben, 2036 oder 2040 (wie Bayern) will das Land Gastgeber der Olympischen Spiele werden. Als Nachbarland von Israel hat Ägypten ungeachtet aller Wirtschaftsinteressen in der gegenwärtigen Konfliktlage im Nahen Osten eine Schlüsselrolle inne.
«Wir stehen hinter Israel und wir unterstützen auch Israel in dieser schweren Zeit», betont Söder. Natürlich sei ein Friedensprozess wichtig, zunächst sei es ihm aber wichtig, die Distanz zum Iran und die Nähe zu Israel zu betonen. Diese Position wolle er auch bei seinen politischen Gesprächen vertreten. Nach dem Gespräch mit Madbuli und Abdelatty lobt Söder den diplomatischen Einsatz Ägyptens und erklärt: «Alle Seiten müssen bemüht sein, eine Deeskalation zu erreichen.»