So haben sich für Markus Söder bisher nicht viele Gastgeber ins Zeug gelegt: In der Millionenmetropole Belgrad sind am Freitag kilometerlange Ausfallstraßen mit weiß-blauen Fahnen geschmückt, mehrspurige Fahrbahnen werden für Söders Autokorso gesperrt, die Brücken sichern mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten. Und beim Mittagessen in der Residenz von Staatspräsident Aleksandar Vucic ertönt «Ein Prosit der Gemütlichkeit».
Söder ist gekommen, um den Serben die bayerische Unterstützung beim Weg in die Europäische Union zuzusichern. Nicht als Oberlehrer oder Schiedsrichter, der womöglich auf die noch immer krassen Demokratiedefizite im von Vucic beinahe autokratisch regierten Westbalkan-Land hinweisen will. Sondern als «Freund», wie Vucic seinen Gast bezeichnete. Er habe ihm mehr Ehren zukommen lassen, als ihm protokollarisch als Regierungschef eines deutschen Bundeslandes zustünden, ließ Vucic durchblicken.
Auch wenn sich die Vertreter der Bundesregierung in Belgrad beinahe schon die Klinke in die Hand geben - Kanzler Olaf Scholz, Außenministerin Annalena Baerbock, Innenministerin Nancy Faeser und Verteidigungsministerin Boris Pistorius waren in jüngster Zeit dort: Söder bemüht sich besonders um das «Tor zum Osten», wie er Serbien nennt, Bayern hat traditionell enge Kontakte zu den Balkanstaaten.