Abkühlung! Das versprechen sich Menschen an heißen Tagen vom Sprung ins Schwimmbad oder in den See. So war es auch bei Susanne Pawlik - bis zu jenem Sommer 2017, als ihre Welt aus den Fugen geriet. Ihre Tochter starb an Krebs und für Pawlik wurde es überlebenswichtig, im Wasser ihre Bahnen zu ziehen. Davon erzählt sie in ihrem Romandebüt «Weiterschwimmen», das in Teilen an ihre eigene Geschichte angelehnt ist. Doch wie schaffte es die Autorin aus dem oberbayerischen Inntal, Mut und Lebensfreude neu zu finden? Und welche Rolle spielte das Schreiben für sie?
Abschied von der Normalität
Der Abschied von der Tochter beginnt lange vor deren Tod. «Bei der Diagnose fing im Prinzip schon eine Art von Trauer an», sagt Pawlik rückblickend. «Man verabschiedet sich vom Gedanken an ein gesundes Kind, von der Normalität. Meiner Meinung nach wird über diese Art von Trauer viel zu wenig gesprochen. Alle denken, getrauert wird erst, wenn jemand gestorben ist.»
«Swim of Consciousness»
Grundlage des Buches waren viele kleine Zettel, auf denen sie in den Jahren der Trauer Gedanken festhielt. «Swim of Consciousness», schwimmendes Bewusstsein, nennt Pawlik ihre Schreibweise in Anlehnung an den «Stream of Consciousness», mit dem der irische Autor James Joyce im Roman «Ulysses» den Gedankenstrom seiner Figuren schildert.
«Beim Schwimmen kann man nur andenken. Da kann man nicht Gedanken zu Ende spinnen, da kann man sie nur spüren. Man kann sie aber nicht zerdenken», erklärt die 55-Jährige ihre Idee. «Analytisch kann man unter Wasser nicht sein, nur emotional. Das ist für mich dieser "Swim of consciousness".»