Gegensätzlicher könnten Inszenierungen und Publikumsreaktionen kaum sein: Nach der Eröffnung der Bayreuther Festspiele mit einem düsteren «Tristan» und verhaltenem Applaus wurde es am Tag darauf bunt und laut: Der «Tannhäuser» in der Dauerbrenner-Inszenierung von Regisseur Tobias Kratzer rief wahre Jubelstürme hervor, Standing Ovations und minutenlangen Applaus - unterbrochen allerdings von einigen wütenden Protesten. Leidenschaftliche Gegner der Produktion buhten gegen die leidenschaftlichen Fans, die deutlich in der Überzahl waren, an.
Auch in ihrem fünften Jahr ruft die stimmige, unterhaltsame und berührende Inszenierung, die auch eine Diskussion über verschiedene Kunstbegriffe und die künstlerische Zukunft der Festspiele in den Mittelpunkt stellt, große Emotionen hervor.
Ganz zu Beginn sind es traurige: Denn in einem Einspieler erinnert Regisseur Kratzer an Stephen Gould, der die Titelrolle sang, bis er 2023 zu krank dafür wurde und von dem auch in diesem Jahr wieder singenden Klaus Florian Vogt ersetzt wurde. Nur wenige Wochen nachdem Gould, der fast 20 Jahre lang auf dem Grünen Hügel gesungen hatte und als «Iron Man der Bayreuther Festspiele» galt, seine krankheitsbedingte Absage bekanntgegeben hatte, starb der Tenor im September vergangenen Jahres an Krebs.