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Ermittlungen gegen «Terror-Teenager»

Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt wegen mehrerer Terror-Verdachtsfälle gegen Teenager. (Archivbild) / Foto: Felix Hörhager/dpa
Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt wegen mehrerer Terror-Verdachtsfälle gegen Teenager. (Archivbild) / Foto: Felix Hörhager/dpa

Eine Hammerattacke auf Mitschüler, Schüsse auf Autofahrer: Die bayerischen Behörden ermitteln in mehreren Fällen wegen geplanter oder sogar durchgeführter Terroranschläge gegen immer jüngere Täter.

In seinen Anfangsjahren als Staatsanwalt seien Jugendliche und Heranwachsende wegen Disco-Schlägereien aufgefallen, weil sie betrunken oder mal schwarz fuhren. Heute, sagt der kommissarische Leiter der bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET), Achim von Engel, seien das im Vergleich nur Lappalien.

Seine ZET ermittelt gegen Teenager, die Terror-Anschläge planen, auf der Online-Plattform Roblox antisemitische Spiele entwickeln, in denen Juden in einer Synagoge erschossen werden sollen, die Kinder in sogenannten Online-Harm-Communitys dazu bringen, Nacktfotos zu schicken oder sich selbst schwer zu verletzen - oder die sich unter dem Deckmantel der Jagd auf Pädophile «in klassischer Skinhead-Manier» zu Gewalttaten gegen vor allem queere Menschen verabreden. 

Seinen Angaben zufolge vereitelten die bayerischen Behörden in jüngerer Zeit mehrere Pläne von Teenagern für Terroranschläge. Wie viele es waren und welche Ziele sie hatten, teilt die Generalstaatsanwaltschaft München, wo die ZET angesiedelt ist, nicht mit. Einige der Pläne seien noch sehr im Anfangsstadium gewesen - aber nicht alle. «Wir haben viele Verfahren mit jugendlichen Tätern, mit steigender Tendenz», sagt von Engel. Er nennt die Entwicklung «sehr besorgniserregend». 

«Werde ich jetzt berühmt?»

2024 war seinen Angaben zufolge europaweit schon fast jeder dritte Tatverdächtige im Bereich Terrorismus und Extremismus jünger als 20 Jahre. Ein Motiv sei dabei der Wunsch nach Ruhm: «Werde ich jetzt berühmt?», sei eine nicht seltene Frage, wenn Tatverdächtige aufgegriffen werden. 

«Diese Jugendlichen meinen's ernst», sagt Staatsanwältin Verena Küllstädt. Nur, weil sie so jung seien, dürfe man die Pläne nicht unterschätzen. Es sei ja in der Konsequenz «egal, ob ein 15-Jähriger eine Bombe hochjagt oder ein 31-Jähriger». Sie nennt den Fall eines Teenagers, der sich bei dem Versuch, eine Kugelbombe mit einem Tennisball zu bauen, schwer verletzte. 

Hammerattacke auf Ex-Mitschüler

Als Beispiele für umgesetzte Pläne von Jugendlichen und Heranwachsenden nennt die Generalstaatsanwaltschaft den Anschlag eines 18-jährigen Österreichers auf das israelische Generalkonsulat in München im September 2024, die mutmaßliche rassistisch motivierte Hammerattacke eines 15-Jährigen auf ehemalige Mitschüler an der Mittelschule in Friedberg sowie die Schüsse eines 21 Jahre alten Mannes an einer Bundesstraße in der Nähe von Dillingen an der Donau, die einen mutmaßlich islamistischen Hintergrund haben. 

Besorgt zeigen sich die Ermittler auch von der Geschwindigkeit, mit der eine meist in Online-Foren angebahnte Radikalisierung in konkrete Pläne und auch Vorbereitungen mündet. Der Politikwissenschaftler Robert Philippsberg, Referent an der ZET, spricht von einer «Turbo-Radikalisierung» innerhalb von Monaten oder sogar nur Wochen. 

Rekrutiert der russische Geheimdienst «Wegwerf-Agenten»? 

Meist stünden bei im Internet radikalisierten Tätern islamistische Motive dahinter, aber auch rechtsradikale Ideologien. Linksradikale rekrutierten weiterhin in erster Linie «analog». Vor allem bei den Rechtsextremen sei ihre Einstellung oft geprägt von einem generellen Hass auf die Gesellschaft, besonders auf Frauen. 

In einigen dieser Fälle vermuten die Ermittler den russischen Geheimdienst auf der Suche nach «Wegwerf-Agenten». In diesen Fällen wüssten die manchmal erst 14, 15 oder 16 Jahre alten, meist männlichen Jugendlichen wahrscheinlich gar nicht, wer sie instrumentalisiere.

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