Der Autozulieferer Valeo schließt seinen Standort in Bad Neustadt an der Saale. Die Mitarbeiter wurden heute über das Aus für die dort noch angesiedelte Entwicklung informiert, wie ein Konzernsprecher bestätigte. Die Produktion dort wurde bereits vor einigen Jahren geschlossen.
Damals hatte der Standort noch mehr als 500 Mitarbeiter, zum Jahreswechsel waren es laut Valeo noch 183. Mindestens 143 davon verlieren den aktuellen Plänen zufolge ihren Job, 40 soll ein Wechsel ins rund 140 Kilometer Fahrstrecke entfernte Erlangen angeboten werden. Dort hat Valeo einen größeren Standort, dessen Entwicklungsabteilung durch die Verlagerung gestärkt werden soll. Die Zahlen könnten sich allerdings noch ändern, betonte der Sprecher.
Der Konzern begründet den Schritt mit der schwierigen Lage der Industrie und dem hohen Wettbewerb aus dem Ausland. Dies zwinge das Unternehmen, seinen Forschungs- und Entwicklungsansatz anzupassen und die Aktivitäten in größeren Zentren zusammenzufassen.
Scharfe Kritik der IG Metall
«Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben», sagt Reiner Gehring von der IG Metall. «Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen.» Mit der jetzt verkündeten Entscheidung trete «genau das ein, was wir bereits Ende 2023 prophezeit hatten. Wir haben klar gesagt: Ein Entwicklungsstandort ohne dazugehörige Produktion wird in diesem Konzern keine Zukunft haben.» Der Arbeitgeber habe dies damals aber noch vehement bestritten.
In der Belegschaft sei jedem die Bestürzung anzusehen, sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert. «Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen.»
Wann genau die Schließung vollzogen werden soll, war zunächst noch offen. Noch gebe es keinen genauen Zeithorizont, sagt der Valeo-Sprecher. Er gehe aber davon aus, dass vieles im laufenden Jahr passieren werde.
Das Landratsamt Rhön-Grabfeld kommentierte die Entscheidung als schweren Schlag für den Industriestandort und den ländlichen Raum in Bayern. Der «schleichende Abbau von Industriearbeitsplätzen im Bereich Automotive und Maschinenbau» erfordere «gewaltige Gegenanstrengungen bundesweit, von der Bayerischen Staatsregierung, den Verantwortlichen vor Ort und den Beschäftigten». Landrat Thomas Habermann kündigte an, «mit aller Kraft nach zeitnahen Zukunftsperspektiven für die betroffenen Beschäftigten» zu suchen.
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