Gelobt als eine der wichtigsten Neutronenquellen Europas, gefeiert als bayerisches Leuchtturmprojekt – aber seit fast sechs Jahren außer Betrieb: Der Forschungsreaktor FRM II der Technischen Universität München (TUM) steht auch zum Start ins neue Jahr still. Wann der wegen seines hoch angereicherten Uran-Brennstoffs kritisierte Reaktor wieder anfahren kann, ist weiter offen. Man hoffe auf dieses Jahr, heißt es bei den Betreibern – die sich inzwischen mit Prognosen zurückhalten.
Ersatzteil-Bau wird zur Geduldsprobe
Wie kürzlich aus der Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im bayerischen Landtag hervorging, warten die Garchinger schon seit fast 13 Jahren auf einen neuen Zentralkanal. Er war 2013 als regulär zu wechselndes Ersatzteil bestellt und sollte im Herbst 2014 geliefert werden, hieß es in der Antwort des Ministeriums.
Man könne die Arbeiten an dem Ersatzteil, an denen etliche Gewerke beteiligt seien, nicht wesentlich beschleunigen, erläuterte Görg. Es handele sich um eine Sonderanfertigung, die zudem nach den strengen Vorschriften für nukleare Anlagen geprüft werden müsse. All das koste sehr viel Zeit. «Dies lässt uns aktuell keine präzise Aussage zum Wiederanfahren treffen.»
Justiz bremst Kritiker aus
Dabei ist ein anderes Hindernis gerichtlich aus dem Weg geschafft. Klagen von Umweltschützern gegen den Betrieb mit dem bis zu 93 Prozent hoch angereicherten und nach ihrer Ansicht waffenfähigen Uran scheiterten vor den Gerichten.
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) wies die Klage des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) ab, das Bundesverwaltungsgericht wies im Dezember eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ab. Von daher könnte der Reaktor mit hoch angereichertem Uran weiter betrieben werden, bis ein neuer Brennstoff zur Verfügung steht.
Bei dessen Entwicklung zumindest kommt die Wissenschaft voran: Ein wichtiger Brennstofftest für FRM II sei erfolgreich gewesen, teilten die Betreiber kurz vor Weihnachten mit. Der Genehmigungsantrag für Brennelemente mit unter 20 Prozent angereichertem Uran wurde noch vor dem Jahreswechsel eingereicht. Doch bis neue Brennstäbe einsatzfähig sind, werden noch Jahre vergehen – gerechnet wird mit Anfang der 2030er Jahre.