Erntedank in Bayern: Hitze und Trockenheit führen zu deutlichen Ernteverlusten bei Getreide und Kartoffeln
Freilich, es gibt eine Menge Folklore rund um den Erntedank-Sonntag in Bayern: Feste mit Erntekronen, Erntedank-Altäre in den Kirchen, Festzüge. Und das, obwohl die meisten Menschen im Freistaat mit der Landwirtschaft überhaupt nichts mehr zu tun haben. Die Zeiten, als in jedem Dorf zig Höfe betrieben wurden, sind vorbei. Seit Jahrzehnten sinkt die Zahl der Bauernhöfe. Beispiel: Nach Angaben des Landesamts für Statistik ging allein die Zahl der Höfe mit Rindern seit 2016 um 22,9 Prozent auf 36.898 zurück. Die verbliebenen Betriebe wuchsen allerdings - von durchschnittlich 67 auf 73 Tiere. Erntedank an diesem Sonntag (4. Oktober) sei ein «großes Dankeschön an unsere Bäuerinnen und Bauern und ihre Familien», sagt Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Denn: «Ein voller Tisch wirkt für uns oft selbstverständlich. Aber das ist er nicht. Hinter jedem Laib Brot, jedem Glas Milch und jedem Apfel stehen Natur, Wetter und vor allem Menschen, die mit viel Arbeit und Leidenschaft dafür sorgen, dass wir jeden Tag hochwertige Lebensmittel haben.» Genau daran erinnere Erntedank. Das Jahr in der Landwirtschaft war bisher geprägt von großer Hitze und Trockenheit. «Ein mildes, trockenes Frühjahr, gefolgt von Hitzewellen und einer langanhaltenden Trockenphase, setzte den Kulturen spürbar zu», teilte das Landesamt für Statistik mit. Wie lief es in den einzelnen Sparten? Das Landesamt schätzt die diesjährige Erntemenge auf lediglich 5,6 Millionen Tonnen, das sind knapp 13 Prozent weniger als 2025. Damit zähle dieses Jahr für die Landwirte zu den drei schlechtesten der vergangenen Jahrzehnte: Lediglich 2024 und im Jahrhundertsommer 2003 waren die Ernten laut Landesamt noch niedriger. Besonders stark traf es demnach den Winterweizen, die Erntemenge ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Viertel eingebrochen. Mit der Qualität des Brotgetreides - hier werden vor allem Weizen und Roggen vermahlen - zeigten sich Experten jedoch zufrieden. Gleiches gilt für die Braugerste. Die Kartoffelernte ist schlecht ausgefallen. Die Landwirte ernteten im Freistaat etwa 1,2 Millionen Tonnen Kartoffeln, das sind 36,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie das Landesamt für Statistik mitteilte. Auch im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 sank die Erntemenge um 26,4 Prozent. Rein rechnerisch könnte jede Bayerin und jeder Bayer im Jahr 91 Kilogramm heimische Kartoffeln verspeisen. Ende August hatte der Bayerische Bauernverband (BBV) bereits darauf hingewiesen, dass die extreme Hitze ab Ende Juni das Wachstum der Pflanzen gestoppt habe. Wassermangel, die Schilf-Glasflügelzikade, die die Pflanzenkrankheiten Stolbur und SBR überträgt, und eine verkleinerte Anbaufläche seien weitere Probleme. «Trockenheit und hohe Temperaturen haben die Bestände belastet und führen zu unterdurchschnittlichen Erträgen», schreibt das Ministerium. Nach dem Rekordjahr 2025 mit hohen Erträgen, aber sehr schwachen Preisen bleibe die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe angespannt. Die Landesvereinigung der Erzeugergemeinschaften hatte den Betrieben empfohlen, Anbauflächen zu reduzieren, um Angebot und Nachfrage anzugleichen. Die Kartoffelfläche im Freistaat ging nach Angaben der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) um vier Prozent auf 37.378 Hektar zurück. Betroffen waren Verarbeitungs- und Speisekartoffeln. Die Anbaufläche für Stärkekartoffeln habe dagegen zugelegt. Aus diesen Kartoffeln wird Stärke gewonnen, die für die Lebensmittelproduktion, aber auch in der Industrie verwendet wird. Wer auf der A9 Richtung München fährt, kann den bayerischen Hopfen nicht übersehen, säumen doch etliche Felder die Autobahn. Die Hopfenpflanzer erwarten eine Ernte unter dem Durchschnitt, schreibt das Ministerium: «Gleichzeitig setzen der sinkende Bierabsatz und ein weiterhin überversorgter Hopfenmarkt die Betriebe wirtschaftlich unter Druck.» Die geringere Erntemenge könne allerdings dazu beitragen, «Angebot und Nachfrage wieder stärker ins Gleichgewicht zu bringen». Das Jahr 2026 habe «uns leider wieder einmal drastisch vor Augen geführt, dass der Klimawandel enorme, ja existenzielle Schwierigkeiten verursachen kann», sagte der Chef des Verbandes der deutschen Hopfenpflanzer, Adi Schapfl, Ende August. Die fränkischen Winzerinnen und Winzer müssen sich heuer mit einem mageren Ertrag zufriedengeben - im Schnitt 55 Hektoliter je Hektar. Im Jahr zuvor waren es noch 72 Hektoliter, 2024 etwa 57. Der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 66,9 Hektolitern. Trockenheit und große Hitze setzten nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands den Trauben zu - und das spiegelt sich dann auch in der Erntemenge wider. Die Preise dürften trotz aller Herausforderungen stabil bleiben. Die Anbaufläche für Wein in Franken erstreckt sich in etwa von Bamberg bis Aschaffenburg. Insgesamt gibt es eine Ertragsrebfläche von rund 5.800 Hektar - 200 Hektar weniger sind bestockt als noch im Vorjahr (Stand: 1. August 2026). Im Obstbau falle die Bilanz gemischt aus, berichtete das Landwirtschaftsministerium. Bei den Erdbeeren etwa liege die Ernte wohl unter der Vorjahresmenge. Bei den Süßkirschen sei das Ergebnis dagegen erfreulich ausgefallen. Deren Ernte war bereits über die Bühne, als das trockene und heiße Wetter einsetzte. Die Apfelernte fällt nach ersten Zahlen des Landesamts für Statistik mit etwa 22.000 Tonnen deutlich geringer aus als im Vorjahr. Damals wurden 33.172 Tonnen von den Bäumen geholt. Im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 2020 bis 2025 ergibt sich ein Minus von 30,9 Prozent. Bei den Birnen registrierten die Statistik-Experten etwa 2.700 Tonnen - das sind 20,1 Prozent weniger als 2025 und 42,6 Prozent weniger als der Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025. Der Selbstversorgungsgrad bei diesen beiden Obstsorten ist im Freistaat relativ gering: Rechnerisch können im Jahr pro Kopf nur rund 1,7 Kilo bayerische Äpfel und 200 Gramm bayerische Birnen gegessen werden. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenGetreide
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