Als Julian Nagelsmann um kurz nach elf Uhr den Trainingsplatz betrat, war er ziemlich einsam. Die meisten seiner Fußball-Nationalspieler um Rückkehrer Robin Gosens schlenderten erst ein paar Minuten später die kleine Treppe herunter zum Rasen. Immerhin, mag sich der Bundestrainer gedacht haben. Nach den Absagen von fünf Stammkräften muss Nagelsmann für die Nations-League-Aufgabe in Bosnien-Herzegowina schwer improvisieren. Von Einspielen für das große Titelziel kann keine Rede mehr sein.
«Gefühlt ist die halbe Mannschaft weg», sagte Kapitän Joshua Kimmich. «Es ist schwierig, das aufzufangen. Denn es ist nicht so, dass wir den Kern der Mannschaft schon seit fünf Jahren haben.» In Zenica am Freitag (20.45 Uhr/RTL) vor gut 13.000 sehr lauten bosnischen Fans werde sich zeigen, ob die DFB-Auswahl gefestigt genug sei. «Wichtig ist, dass Spieler Verantwortung übernehmen», sagte Anführer Kimmich.
Das erste Training am Dienstag im Teamquartier in Herzogenaurach geriet so zur Kennenlernrunde mit den «neuen Gesichtern» (Kimmich) von Gladbachs Tim Kleindienst, Stuttgarts Jamie Leweling und dem Mainzer Jonathan Burkardt. «Viel Energie» brächten die Neuen mit, berichtete Kimmich, «sie brennen».