Die gigantische Flugschanze im slowenischen Planica ist für Markus Eisenbichler das Tor zur Freiheit. Noch ein Wochenende auf Skiern durch die Lüfte fliegen, dann beginnt für den sechsmaligen Skisprung-Weltmeister ein neues Leben. Langlauf, Skitouren und Bergwanderungen: Der charismatische Naturmensch freut sich auf eine Zukunft voller Abenteuer. Auf das Dasein als Profi kann er nach Jahren der Entbehrungen gut verzichten.
«Es war eine Befreiung, nachdem ich den Rücktritt verkündet hatte», sagte Eisenbichler dem «Kicker». Der vom Anzug-Skandal schwer geplagte Skisprung-Sport hingegen verliert eine Persönlichkeit, die die Szene in der jüngeren Vergangenheit geprägt und bereichert hat.
Mit knackigen Sprüchen wie «Sieg oder Sarg» und «Pokal oder Spital» machte der 33-Jährige auf sich aufmerksam. Sein derbes Fluchen wurde ebenso Kult wie exzessive Jubelszenen. Fans nannten ihn in Anlehnung an sein unverstelltes Auftreten zuletzt «den Thomas Müller des Skispringens». Der Vergleich passt.
Eisenbichler hat extrem viele Höhen und Tiefen hinter sich. WM-Gold im Einzel am Bergisel in Innsbruck und insgesamt sechs Titel bei Weltmeisterschaften machen ihn zu einem der erfolgreichsten Skispringer der deutschen Geschichte. Sportdirektor Horst Hüttel sieht Eisenbichler als «das Gesicht der WM 2019», die in Tirol unweit der deutschen Grenze stattfand.