Schwimmen und entspannen in prachtvoller Umgebung - das bietet seit 125 Jahren das Müller'sche Volksbad in München. Das Bad sei ein Jugendstil-Juwel, sagen die Stadtwerke München (SWM) über den neobarocken Bau, der am 1. Mai 1901 als erstes städtisches Hallenbad feierlich eröffnet wurde. Der Badebetrieb startete einige Tage später. Das Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte spricht von einem der schönsten Badehäuser Europas. Doch die üppig verzierten und verspielten Jugendstil-Ornamente und Wandmalereien dienten auch als Horrorkulisse.
Geschlechtertrennung und Hundebad
Das Volksbad entstand dank einer Stiftung des Ingenieurs Karl von Müller (1821-1909), dessen Namen es trägt. Bis 1989 waren die Schwimmbecken samt prunkvollen Wasserspeiern nach Geschlechtern getrennt, das große Becken für Männer, das kleinere für Frauen. Es gab auch ein römisch-irisches Schwitzbad sowie Wannen- und Brausebäder für hygienische Zwecke, hatten doch die wenigsten Menschen früher fließendes Wasser oder gar ein Badezimmer in ihren Wohnungen.
Später kamen ein Dampfbad, Heißlufträume, Warm- und Kaltwasserbecken sowie eine finnische Sauna hinzu. Bis 1978 gab es nach Angaben der Stadt auch ein Hundebad mit eigenem Coiffeur und Warmluftboxen zum Trocknen des frisch gebadeten Fells.
Wegweisender Prachtbau
Nach Angaben von Kunsthistorikern wurde die elegante Anlage nach Plänen des Architekten Carl Hocheder (1854-1917) gebaut, als damals angeblich größtes und teuerstes öffentliches Schwimmbad der Welt. «Hocheders Idee, das Bad nicht als profanen Zweckbau zu errichten, trug zur Popularisierung der Badekultur bei und war richtungsweisend für den Bäderbau einer ganzen Epoche», heißt es von den Stadtwerken. München habe sich nun stilvoll als eine der saubersten Städte Deutschlands und darüber hinaus profilieren können.
Hexenhorror im Volksbad
Doch trotz aller Pracht diente das Jugendstil-Bad auch als Kulisse für einen italienischen Horrorklassiker aus dem Jahr 1977. Der Regisseur Dario Argento drehte hier damals Szenen seines verstörenden Schockers «Suspiria», in dem eine Ballett-Studentin nach mehreren grausamen Todesfällen einen geheimen Hexenzirkel entdeckt.
Bereits 1907 zählte das Volksbad nach Angaben der SWM mehr als 1 Million Besucherinnen und Besucher, dazu seien 187.507 Wannen- und 124.537 Brausebäder in Anspruch genommen worden. Rein rechnerisch habe jeder der rund 680.000 Einwohner von München das Bad zweimal pro Jahr besucht.
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