Zehntausende Gläubige pilgern alljährlich zur berühmten Schwarzen Madonna nach Altötting, in Kürze beginnt dort das Wallfahrtsjahr. Kaum bekannt: Die rund 700 Jahre alte Gottesmutter hat eine Doppelgängerin. Ein Splitter der Original-Madonna, sorgsam eingearbeitet in ihrem Rücken, macht sie zum Gnadenbild-Double.
Holzspan aus der originalen Madonna
Die Doppelgängerin ist mit rund 100 Jahren deutlich jünger. Die bischöfliche Administration beauftragte seinerzeit den Bildhauer Josef Neustifter senior, eine Zweit-Madonna zu schnitzen und den etwa drei bis vier Zentimeter langen Span von hinten in die Figur einzuarbeiten, wie der Altöttinger Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Klaus Metzl berichtete.
Zu dem Anlass kursieren verschiedene Versionen. Metzl zufolge war es der Splitter, der sich von der Madonna gelöst hatte - und der so eine Bestimmung bekommen sollte.
Der Sohn des Bildhauers, Joseph Michael Neustifter, sagte über den Auftrag an seinen Vater Anfang der 1930er Jahre: «Der Zweck der Kopie war der Schutz des Originals während der Zeit des Nationalsozialismus.»