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IP-Sperren im Online-Glücksspiel: Neue Regelungsansätze für den Vollzug ab 2026

Online-Glücksspiel wird häufig über mobile Geräte und Laptops genutzt. / Foto: pexels.com
Online-Glücksspiel wird häufig über mobile Geräte und Laptops genutzt. / Foto: pexels.com

Warum IP-Sperren im Online-Glücksspiel bisher scheiterten und wie neue Regelungen ab 2026 den Vollzug gegenüber illegalen Anbietern verändern sollen.

Das Glücksspiel im Netz zu regulieren, zählt seit Jahren zu den anspruchsvollsten Aufgaben der bayerischen und gesamtdeutschen Digital- und Ordnungspolitik. Der gesetzliche Rahmen selbst ist klar definiert und trotzdem gelingt es den Behörden bisher nur zum Teil, die deutschen Glücksspieler in diesem Rahmen zu behalten.

Zahlreiche Anbieter operieren außerhalb des deutschen Rechtsraums, richten ihre Webseiten gezielt auf Spieler in Deutschland aus und entziehen sich damit weitgehend der direkten Aufsicht der nationalen Behörden. Das bedeutet nicht, dass sie vollkommen unreguliert arbeiten, sondern dass sie in einem anderen Land mit eigener Regulierung registriert sind.

Für die deutschen Behörden sind sie damit schwer überprüfbar, weshalb technische Maßnahmen wie IP-Sperren erneut an Bedeutung gewinnen. Ab 2026 könnten sie eine deutlich größere Rolle spielen als bisher, zumindest auf dem Papier.

Technische Grundlagen und der regulatorische Rahmen

IP-Sperren setzen unmittelbar an der technischen Infrastruktur des Internets an. Jede Webseite ist über eine numerische IP-Adresse erreichbar, die den Server eindeutig identifiziert. Wird diese Adresse blockiert, kann keine Verbindung mehr aufgebaut werden, selbst wenn der Domainname bekannt ist.

Im Vergleich zu DNS-Sperren, die lediglich die Namensauflösung betreffen, greifen IP-Sperren tiefer in den Verbindungsprozess ein und gelten daher als robusteres Instrument. Sie kommen nicht nur im Glücksspielumfeld zum Einsatz, sondern sind in mehreren stark regulierten digitalen Branchen etabliert.

Doch gerade im Online-Glücksspiel gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung, da klassische Verbote häufig ins Leere laufen, sobald Anbieter ihren Sitz ins Ausland verlagern. IP-Sperren sollen hier als technisches Korrektiv wirken, um den Zugriff auf nicht genehmigte Angebote zu begrenzen und den regulierten Markt zu stärken.

Immer mehr Menschen bevorzugen deshalb deutsche Casinos ohne LUGAS, bei denen auch dann gespielt werden kann, wenn andere Anbieter mit IP-Sperren unzugänglich gemacht sind. An dieser Stelle spielt die Auswahl des Anbieters eine wichtige Rolle.

Warum IP-Sperren bisher kaum Wirkung zeigten

Mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 wurde erstmals ein bundesweit einheitlicher Rechtsrahmen geschaffen, der Online-Poker, virtuelle Automatenspiele und Sportwetten unter klaren Bedingungen erlaubt. Die Aufsicht über diesen Markt liegt bei der Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder. In der Praxis zeigte sich jedoch schnell, dass rechtliche Verbote allein nicht ausreichen, um digitale Angebote effektiv zu kontrollieren.

Ein zentrales Problem lag in der Rolle der Internetprovider. Nach der bisherigen Rechtsauffassung galten sie als reine Vermittler von Daten, ohne Verantwortung für die Inhalte, die über ihre Netze abgerufen werden. Von Gerichten wurde diese Sichtweise nun schon mehrere Male bestätigt.

Besonders prägend waren Urteile des Bundesverwaltungsgericht und weiterer Obergerichte, die Sperrverfügungen gegen Access-Provider als unzulässig einstuften. Behörden konnten zwar illegale Angebote feststellen und untersagen, hatten aber kein wirksames Mittel, um den tatsächlichen Zugriff zu verhindern.

Diese rechtliche Konstellation führte dazu, dass sich ein stabiler Parallelmarkt entwickeln konnte. Anbieter wechselten Domains, Serverstandorte und technische Strukturen, während der Zugang für Nutzer weitgehend ungehindert blieb und viele Spieler regelrecht im Dunkeln darüber tappten, welche Anbieter nun seriös und regelkonform arbeiten und welche nicht. IP-Sperren existierten damit lange Zeit eher als theoretisches Instrument ohne praktische Relevanz.

Reformpläne mit Blick auf 2026

Mit Blick auf diese Vollzugsdefizite bereiten die Länder derzeit eine Reform des Glücksspielstaatsvertrags vor. Ziel ist es, die Verantwortlichkeiten entlang der digitalen Wertschöpfungskette neu zu definieren. Künftig sollen nicht mehr nur die Betreiber illegaler Glücksspielangebote adressiert werden, sondern auch technische Dienstleister wie Access-Provider, Hosting-Unternehmen und Domainregistrare.

Der geplante Ansatz sieht vor, dass diese Akteure auf behördliche Anordnung hin verpflichtet werden können, den Zugang zu illegalen Angeboten zu blockieren. Damit würde der Vollzug erstmals direkt an der digitalen Infrastruktur ansetzen. Politisch ist dieser Schritt anspruchsvoll, da er sowohl die Zustimmung aller Länder als auch eine europarechtliche Prüfung erfordert. Insbesondere Fragen der Dienstleistungsfreiheit und der Verhältnismäßigkeit stehen dabei im Fokus.

Gelingt die Umsetzung, könnten IP-Sperren ab 2026 von einem bislang wirkungslosen Instrument zu einem festen Bestandteil der Regulierung werden. Bayern und die anderen Länder versprechen sich davon eine deutlich höhere Durchsetzungskraft gegenüber Anbietern, die sich bisher durch ihre internationale Struktur der Kontrolle entziehen konnten.

Technische und rechtliche Grenzen der Netzsperren

Trotz neuer gesetzlicher Grundlagen bleiben IP-Sperren mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Technisch lassen sie sich vergleichsweise leicht umgehen. Virtuelle private Netzwerke, Proxydienste oder der schnelle Wechsel von Serveradressen gehören zum Standardrepertoire vieler Anbieter. Hinzu kommt, dass moderne Hosting-Strukturen häufig mehrere Dienste über dieselbe IP-Adresse bündeln.

Dies führt zu dem Risiko sogenannter Überblockaden. Wird eine IP-Adresse gesperrt, können auch unbeteiligte Webseiten betroffen sein, die denselben Server nutzen. Aus rechtlicher Sicht wirft dies Fragen nach der Verhältnismäßigkeit und nach möglichen Haftungsansprüchen auf. Betreiber legaler Angebote könnten dadurch ungewollt beeinträchtigt werden.

Auch grundrechtliche Aspekte spielen eine zentrale Rolle. Netzsperren greifen in den Datenverkehr ein und berühren Prinzipien wie Netzneutralität und Informationsfreiheit. Datenschützer und Netzpolitiker fordern daher klare gesetzliche Kriterien, transparente Entscheidungsprozesse und effektive Rechtsschutzmöglichkeiten. Ohne diese flankierenden Maßnahmen besteht die Gefahr, dass IP-Sperren rechtlich angreifbar bleiben und erneut vor Gericht scheitern.

Mehr als ein einzelnes Instrument

Internationale Erfahrungen zeigen, dass IP-Sperren allein kaum ausreichen, um illegales Online-Glücksspiel dauerhaft einzudämmen. In Ländern wie Italien oder Spanien werden sie seit Jahren eingesetzt, allerdings stets in Kombination mit weiteren Maßnahmen. Dazu zählen Zahlungssperren, die den Geldfluss zu illegalen Anbietern unterbrechen, sowie strenge Werberegeln, die die Reichweite solcher Angebote begrenzen.

Für Deutschland deutet sich ein ähnlicher Mehrsäulenansatz an. IP-Sperren könnten künftig als erste Zugangshürde dienen, während finanzielle und werberechtliche Maßnahmen zusätzliche Wirkung entfalten. Ergänzend gewinnt auch die internationale Zusammenarbeit an Bedeutung, da viele Anbieter außerhalb der Europäischen Union agieren.

Ob 2026 tatsächlich einen Wendepunkt markiert, hängt letztlich vom Zusammenspiel von Recht, Technik und Vollzugspraxis ab. IP-Sperren können den Handlungsspielraum der Behörden erweitern, ersetzen aber keine umfassende Regulierung. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, technische Maßnahmen präzise, verhältnismäßig und rechtssicher umzusetzen. Nur dann könnten sie zu einem wirksamen Bestandteil der Glücksspielaufsicht werden und den digitalen Graubereich nachhaltig verkleinern.