«Wir haben an den Dampfschwaden immer genau gewusst, woher der Wind weht.» Christian Keller (CSU), geboren 1979 und heute Erster Bürgermeister von Grafenrheinfeld, kennt die Gemeinde gar nicht ohne die markanten Kühltürme des Atomkraftwerkes. «Die Zwillinge waren für mich und sicherlich auch für viele Menschen aus der Region immer auch ein optischer Ankerpunkt.» Fragten Kinder ihre Eltern auf der Rückreise aus dem Sommerurlaub, wann man denn endlich daheim sei, hieß es häufig: «Wenn Du die Türm‘ siehst, noch eine halbe Stunde», erzählte Keller. Doch nun sind die Kolosse Geschichte.
Donnernde Knallgeräusche - und binnen 30 Sekunden sackten die Kühltürme des stillgelegten AKW am Abend in sich zusammen. 50 Jahre nach dem Baubeginn der Anlage waren von den auffälligen Zeichen der einstigen Hochrisikotechnologie nur noch zwei relativ kleine Schutthaufen unweit der fränkischen Industriestadt Schweinfurt zu sehen.
Wegen einer Störaktion verzögerte sich das Spektakel um mehr als eine Stunde. Ein 36-jähriger Mann war auf einen Strommast geklettert, die Polizei schritt ein und nahm ihn in Gewahrsam. Die Polizei rechnete den Mann zum Lager der Atomkraftbefürworter. «Es werden erhebliche Kosten auf ihn zukommen», sagte ein Polizeisprecher.