Diesen Moment kann Markus Söder so richtig genießen: Mehr als 8.700 Kilometer Luftlinie entfernt von München steht der CSU-Chef sichtlich zufrieden im Mission Control Center der Nasa in Houston. Hier, wo in wenigen Tagen die «Artemis 2»-Mond-Mission gesteuert wird, erfährt Weltraum-Fan Söder ein Stück weit jene Bestätigung und Genugtuung, die er für seine bayerische Raumfahrtstrategie so lange vermisst hat.
Kooperation mit der Nasa
Der Grund für Söders gute Laune liegt nicht in der Führung durchs Astronauten-Trainingszentrum mit Esa-Astronaut Luca Parmitano und der aus Deutschland eingeflogenen Esa-Reserveastronautin Amelie Schönenwald. Anlass sind vielmehr zwei Unterschriften, die die weltberühmte US-Weltraumbehörde und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München noch enger aneinander binden. Konkret geht es um die Steuerung von Raumfahrzeugen auch ohne andauernde Bodenkommunikation, also selbstständiges Operieren im Weltall.
Schon jetzt verbindet eine Standleitung das berühmte Houston mit dem bayerischen Oberpfaffenhofen. Ein Ort, dessen Aussprache viele Amerikaner regelmäßig an den Rand der Verzweiflung bringt, weshalb der dazugehörige Bildschirm auf der großen Kontrollanzeige nur «Munich» genannt wird.
«Das Schöne ist, dass die Strategien, die wir in Bayern auf den Weg gebracht haben vor einigen Jahren, die von dem einen oder anderen belächelt wurden, heute sehr gut aufgenommen werden», sagt Söder. Bayern sei nun «quasi ein gleichberechtigter Partner» von der Europäischen Weltraumorganisation Esa und der Nasa. Im großen Nasa-Trainingscenter sehe man, «was alles möglich ist, wo die Zukunft hingeht. Und dass Bayern da dabei ist, das freut mich».
2018 wurde Söders Weltraumidee «Bavaria One» noch ausgelacht
Um Söders Genugtuung zu verstehen, muss man Folgendes wissen: Unter dem Schlagwort «Bavaria One» hatte der bayerische Ministerpräsident 2018 ein auf zehn Jahre angelegtes Luft- und Raumfahrtprogramm angekündigt, das etwa sein heutiger Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, damals noch Freie-Wähler-Oppositionsführer, als «Bavarian Größenwahn» kritisierte. Die SPD warf Söder vor, «hinter dem Mond zu leben», solange es Wohnungs- und Kitamangel gebe, und Fernsehkritiker Oliver Kalkofe sprach von «Söderchens Mondfahrt».
Bis 2030 investiert Bayern eine Milliarde Euro in Raumfahrtstrategie
2026 sind die Kritiker der bayerischen Weltraumstrategie verstummt: Bis 2030 werden eine Milliarde Euro investiert, als Teil der sieben Milliarden Euro schweren Hightech-Agenda für Forschung und Wissenschaft. Rund um München und Augsburg hat sich dadurch ein einzigartiges Cluster zu Luft- und Raumfahrt entwickelt; die Branche erzielt in Bayern inzwischen etwa zwölf Milliarden Euro Jahresumsatz und hat rund 40.000 Beschäftigte.
Am besagten DLR-Standort Oberpfaffenhofen entsteht zudem das Mondkontrollzentrum. Baubeginn soll 2028 sein, pünktlich zur nächsten Landtagswahl in Bayern. Zudem sind im Zuge der Hightech-Agenda 13.000 neue Studienplätze und 1.000 Professuren teils mit neuen Fakultäten entstanden, viele davon in den Zukunftsfeldern Luft- und Raumfahrt, KI, Bio-Life-Sciences und Defense Tech. Kurzum: Auch Bayerns Wirtschaftskraft profitiert schon jetzt von den einst vielfach verspotteten Investitionen.
Besuch auf Cowboy-Ranch
Als Kontrast zu Weltraum und Hightech war Söder praktisch unmittelbar nach seiner Landung in den USA am Sonntagabend auf einer George Ranch unweit von Houston in jenes Texas eingetaucht, welches rund um den Globus mindestens so klischeebeladen ist, wie Bayerns Trachten und Brauchtümer. «Es ist ein Traum, hierher nach Texas zu kommen», sagt Söder, umringt von Männern und Frauen mit Cowboy-Hüten und Cowboy-Stiefeln. Im Hintergrund zeigt ein Western-Reiter samt Lasso seine Künste, am Buffet gibt es Barbecue.
Um 17.38 Uhr war es dann so weit: 14 Stunden und 38 Minuten nach dem Start des Fliegers in Frankfurt hat Markus Söder seinen Cowboy-Hut auf dem Kopf und eine goldglänzende Gürtelschnalle in der Hand. «Bayern und Texas haben viel gemeinsam. Wissen Sie, Washington ist weit weg von Texas, Berlin ist weit weg von Bayern. Am Ende wissen wir also, wie Politik wirklich funktioniert.»
Dass Söder Bayern mit Texas vergleicht, passt durchaus gut - beide Länder sind wirtschaftlich extrem stark und tragen stolz ihre eigene Geschichte, Kultur und Bräuche nach außen. Bisher verglich Söder den Freistaat immer lieber mit Kalifornien. Texas sei nicht Washington, «so ist es bei uns mit den Berlinern auch», sagt Söder.
Ab Herbst 2026 gibt es auch in Texas ein Hofbräuhaus
Anders als Söders Freude über die Weltraum-Achse dürften sich viele Texaner über eine andere Neuigkeit freuen, die bei der Reise angekündigt wurde: Im Frühherbst 2026 eröffnet in der Metropolregion Dallas-Fort Worth das erste Original Hofbräuhaus in Texas seine Pforten. Bisher gibt es zehn Hofbräuhaus-Standorte auf drei Kontinenten - das erste wurde 1902 in New York eröffnet.
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