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Söder in Abu Dhabi und Katar: Bayern wirbt um Milliarden – Besuch auf der Kamelrennbahn

Söder in Abu Dhabi und Katar: Bayern wirbt um Milliarden – Besuch auf der Kamelrennbahn
Es geht ums Geschäft, aber Kamele dürfen nicht fehlen: Markus Söder auf Arabien-Reise. / Foto: Peter Kneffel/dpa
Für ein paar Tage scheinen die Probleme und die P-Frage zu Hause weit weg: Markus Söder ist zu Gast auf der arabischen Halbinsel. Dabei geht es ums Geld und ums Geschäft. Aber nicht nur.

Natürlich darf dieses Foto nicht fehlen: Markus Söder mit Kamelen. Eine Reise auf die arabische Halbinsel, ohne dass der bayerische Ministerpräsident die edlen Tiere zu Gesicht bekäme? Kaum möglich. Und tatsächlich steht Söder an diesem heißen Morgen auf der Kamelrennbahn Al Wathba nahe Abu Dhabi. Die Vize-Direktorin empfängt ihn und seine Delegation auf der weitläufigen Anlage, auf der die Tiere gerade trainieren, ferngesteuert von Jockeys. Auf den Kamelen sind nur Roboter festgeschnallt, quasi künstliche Reiter mit ferngesteuerter Peitsche.

Der Besuch auf der weithin bekannten Rennbahn am Rande der Hauptstadt ist aber offenbar nicht auf Initiative Söders zustande gekommen. Der Ministerpräsident wird in dem Wüstenstaat mit allerhöchsten Ehren empfangen – und als Ehre gilt auch, auf den Race Track eingeladen zu werden.

Treffen mit dem Präsidenten

Dabei geht es auf Söders Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und nach Katar vor allem um handfeste Wirtschaftsinteressen. Höhepunkt in Abu Dhabi: ein geplantes Treffen mit dem Präsidenten der VAE, Scheich Mohammed bin Sajid. Es ist schon der zweite Termin der beiden binnen weniger Wochen und es geht um viel Geld: Als der Scheich im September in München war, hatten Bayern und die Emirate ein Abkommen unterzeichnet, das Investitionen von zehn Milliarden Euro in Bayern vorsieht. 

Das zweite Treffen innerhalb kurzer Zeit vertiefe die Freundschaft und zeige, «dass es ernst ist mit der Investorenpartnerschaft», sagt Söder über den Termin beim Präsidenten.

Insgesamt investieren die VAE sogar 40 Milliarden Euro in Deutschland. Das Geld soll unter anderem in Zukunftsbranchen wie Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz oder Verteidigung fließen. Nun geht es um die Details. 

«Das heißt, wir wollen jetzt aber konkreter werden: Was, wann, in welchen Zeiträumen?», erklärt Söder. Bei seinen Gesprächen geht es dabei um den großen politischen Rahmen. Die Details muss die Wirtschaft aushandeln. Aber dass dies schnell geschieht, dafür will Söder auf seiner Reise werben.

Es ist so: Wer mit arabischen Ländern Geschäfte machen will, der stößt auf zahlungskräftige Geschäftspartner – denen aber persönliche Beziehungen und Vertrauen wichtig sind, die auch überaus gastfreundlich sind. Und die es schätzen, wenn sich ihre Gäste für ihr Land und ihre Kultur interessieren.

Deshalb geht es bei Söders Besuch auf der Kamelrennbahn also nicht in erster Linie um die typische Suche nach bildstarken Motiven – auch wenn letzteres bei Söders Auslandsreisen seit Jahren immer mit dazu gehört, mal mehr, mal weniger. Und auch ein Besuch in der größten Moschee Abu Dhabis – die gleichzeitig eine der größten der Welt ist – später am Tag wurde wohl aus mehreren Gründen in Söders Reiseprogramm aufgenommen.

Zehn Milliarden

Aber auch abgesehen von den zehn Milliarden geht es um eine noch engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. So unterzeichnet Bayern mit dem Emirat Abu Dhabi eine Vereinbarung über eine gemeinsame Wirtschaftskommission, die quasi eine Art Plattform für den weiteren Austausch und Dialog sein soll.

«Wir sind echte Freunde der Emirate», sagte Söder auf Englisch am Sonntagabend bei einem ersten Empfang. Man habe die gleiche Philosophie, den gleichen Blick auf Zukunft, auf Technologie, aber auch auf traditionelle Werte. «It's a good match» (deutsch: Es passt gut zusammen), schwärmt Söder. Bei einer Messeeröffnung tags darauf fügt er hinzu, Bayern wolle hier mit Hochtechnologie, mit Robotik und KI glänzen. Zudem sei eine Energiepartnerschaft wichtig: «Wir brauchen in Deutschland eine Menge Energie für das, was wir alles vorhaben.»

Eines aber gibt es nicht: Nach dem Panda-Deal mit China bleibt eine Anwerbung von Kamelen für den Münchner Tierpark aus. Söder antwortet auf die entsprechende Frage: «Wir haben schon genügend Kamele bei uns, danke.»

Nächste Station: Katar

Zweiter Teil der Reise ist ein Besuch in Katar – dort sind für Dienstag ebenfalls hochrangige Gespräche geplant, allen voran mit dem Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Und auch in dem wirtschaftsstarken kleinen Golfstaat geht es um wirtschaftliche Interessen. Bei den Gesprächen solle vor allem der Rüstungsbereich eine Rolle spielen, hatte Söder vor der Reise gesagt.

Was bei dieser Reise weit weg scheint: die Innenpolitik, die Probleme zu Hause. Der Kampf gegen Extremisten von rechts und links, das Umfragetief der Union und die langsam drängende Bundespräsidenten-Frage – all das dürfte der CSU-Chef im Hinterkopf haben. Doch für den Moment rückt es in den Hintergrund.

Die P-Frage

Noch immer ist offen, wen die Union und die schwarz-rote Koalition als Nachfolger oder Nachfolgerin für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nominieren wollen. Wenn es nach Söder und der CSU ginge, wäre die Sache klar: Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die auch viel Zuspruch von SPD und Grünen bekommt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aber hat sich bisher nicht festgelegt, er hatte sich ja auch auf dem CSU-Parteitag um die Frage gedrückt.

Zuletzt hatte Merz dann indirekt verlauten lassen, dass er ein Interesse «an einem geordneten Prozess» habe. Der «erste Zielpunkt» seien die Sitzungen des CDU-Präsidiums und -Vorstands am 9. November. Bis dahin sind es aber nur noch wenige Tage und Söder reist erst am 4. November zurück. Da wird die Zeit knapp – auch wenn in Arabien alles sehr weit weg scheint.

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