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Bayern will Drohnenabwehr mit mehr Personal und Technik stärken

Bayern will Drohnenabwehr mit mehr Personal und Technik stärken
Bayern will die Zahl seiner Anti-Drohnen-Kräfte bei der Polizei erhöhen. (Archivbild) / Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Von: DieBayern.de News
Nach den Vorkommnissen am Flughafen Leipzig-Halle will Bayerns nichts dem Zufall überlassen. Die Experten bei der Polizei, die sich mit Drohnen auskennen, sollen mehr werden.

Sie sind gefühlt überall - im Regal im Spielzeugladen, aber auch an der Kriegsfront in der Ukraine oder in Nahost: Drohnen. Die unbemannten, ferngesteuerten Flugkörper sind Fluch und Segen zugleich und für die Sicherheitsbehörden auch in Bayern eine zunehmende Herausforderung. Tatsächliche oder scheinbare Drohnensichtungen etwa über Flughäfen oder militärischen Einrichtungen nehmen zu. «Täglich», sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), liefen Berichte ein, wonach es Sichtungen von Flugkörpern irgendwo in Europa gegeben haben. 

Der Minister, zuständig für die bayerische Polizei, möchte die Herausforderung annehmen. «Wir leben in einer Zeit zunehmender Konflikte, hybrider Bedrohungen und neuer Formen der politischen Einflussnahme», sagt er. Angriffe mit Drohnen wie zuletzt in Leipzig seien direkte Angriffe auf die kritische Infrastruktur in Deutschland. Es entstünden wirtschaftliche Schäden und die Bevölkerung werde verunsichert. 

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Geld und Know-how gefragt

Was Bayern braucht - will der Freistaat sich wirksam gegen die Gefahren wappnen - sind zwei Dinge: Geld und Know-how in Form von geeignetem Personal. Diejenigen bei der Polizei, deren Job es ist, wirksam gegen feindliche Drohnen vorzugehen und die von ihnen ausgehenden Gefahren abzuwehren, sollen deutlich mehr werden. «Sicherheit muss jeden Tag aufs Neue erarbeitet werden», sagt Minister Herrmann. 

«Wir wollen Bedrohungen frühzeitig erkennen, konsequent handeln und die Menschen in unserem Land bestmöglich schützen», betont er. Wichtig - da ist er sich mit den Experten bei der Polizei einig - ist der Austausch. Mit den Experten der Bundeswehr einerseits, um die militärische Komponente mit ins Boot zu holen. Aber auch mit den Polizeieinheiten der anderen Bundesländer und mit Fachleuten aus der privaten Wirtschaft. 

Rege Start-up-Szene in München

In und um München existiert eine international beachtete Start-up-Szene, die sich mit Drohnentechnologie auseinandersetzt: Das Unternehmen Quantum Systems hat nach eigenen Angaben allein 600 Mitarbeiter in die Ukraine geschickt - nur um von den dortigen Erfahrungen aus Fronteinsätzen zu lernen. Der ebenfalls in München ansässige Drohnen- und Softwarehersteller Helsing hat erst kürzlich die gigantische Summe von 1,8 Milliarden Euro an Investorengeldern eingesammelt.

Erst im April hatte Bayern ein Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrum (DKAZ) in Erding - in der Nähe des zweitgrößten deutschen Flughafens - ins Leben gerufen. Das Zentrum soll schon bald von derzeit 40 auf 100 Kräfte aufwachsen, die dann vor allem den Markt und die technischen Entwicklungen beobachten. Denn: Drohnen entwickeln sich ständig weiter, die Polizei muss versuchen, mit möglichen Angreifern schrittzuhalten. Beispielsweise wird gegenwärtig fieberhaft geforscht, wie Drohnen abgeschossen werden können, ohne Kollateralschäden zu verursachen. 

Die Furcht vor solchen Schäden etwa durch herabfallende Teile ist einer der Gründe, warum ein Abschuss zwar eine theoretische Möglichkeit der Drohnenabwehr darstellt - aber in der Praxis bisher nicht vorkommt. Die Experten der Polizei beschränken sich darauf, die Flugkörper zu erspähen - mit entsprechenden Sichtgeräten auch bei Nacht. Und sie dann etwa mit Störsendern - sogenannten Jammern - unschädlich zu machen. Je nach Programmierung werden die Flugkörper dann zur Landung gezwungen oder sie fliegen zu ihrem Piloten zurück. 

In krasseren Fällen stehen Netzwerfer bereit. «Damit können wir Drohnen aus der Luft holen», sagt Christian Steidl vom DKAZ. Doch die Reichweite dieser Waffen ist begrenzt. Funkgesteuerte Drohnen können leichter geortet und etwa mit Störsender bekämpft werden als LTE-gesteuerte Drohnen. Gegen sie hilft nur Radar, sagen die Experten. Und der kann auch nur die Drohne selbst, nicht aber den Piloten erkennen.

Gute Chance gegen alle Drohnen

Grundsätzlich aber gelte: «Wir sind sehr gut aufgestellt.» Gegen jede denkbare Drohne gebe es mit den vorhandenen Mitteln für die Polizei eine gute Chance - abhängig von den jeweils konkreten Umständen. Da seien auch die kampferprobten Experten etwa in der Ukraine kaum voraus, sagt Steidl. 

Die bayerischen Flughäfen - Memmingen und Nürnberg liegen in der Zuständigkeit der bayerischen Polizei, München bei der Bundespolizei - sind mit Anti-Drohnen-Technik ausgerüstet, die Polizeidienststellen in der Fläche sollen schrittweise zumindest mit Basis-Technik ausgerüstet werden. Für größere Einsätze, etwa wenn konkrete Gefahren ausgemacht werden, kommen auch die Spezialeinsatzkräfte der Polizei ins Spiel, bei denen spezielle Drohnenexperten arbeiten. 

Ein Kompetenzgerangel zwischen den Polizeien des Bundes und der Länder, wie nach dem Drohnenvorfall in Leipzig politisch diskutiert, sieht Hermann nicht. Änderung der Zuständigkeiten für die Drohnenabwehr unter anderem an Flughäfen hält Herrmann indes weder für notwendig noch für machbar. Es werde nicht funktionieren, dass etwa die Bundespolizei ganz Deutschland schütze - schon aus finanziellen Überlegungen. In Bayern seien die Zuständigkeiten auch für die Flughäfen klar geregelt, Reibungsverluste seien nicht zu erkennen. 

Herrmanns Absicht, sowohl personell als auch technisch in die Drohnenabwehr zu investieren und dafür auch mehr Haushaltsmittel bereitzustellen, findet sogar in der Opposition Beifall. «In den letzten Haushaltsverhandlungen haben CSU und Freie Wähler unsere Forderung nach mehr Geld für eine effektive Drohnenabwehr noch abgeschmettert», sagt die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Christiane Feichtmeier. «Wenn die Staatsregierung endlich mehr in moderne Detektions- und Abwehrtechnik investiert, und mehr Spezialisten einstellt, hat das unsere Unterstützung.»

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