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Erotik-Magazin 2026: Was der „BestFans Insider" anders macht als der Playboy

Frau in rotem Kleid liest ein Magazin auf dem Bett
Der BestFans Insider zeigt mehr als Bilder – er erzählt die Geschichten der Creator. / Foto: prostooleh auf magnific.com
Von: Konrad Vers

Ein neues Heft im Zeitschriftenregal weckt Erinnerungen an die große Zeit der Erotik-Magazine. Doch hinter dem „BestFans Insider" steht eine andere Logik – und ein grundlegend verändertes Verhältnis zwischen Medium und Abgebildeten.

Es gab eine Zeit, in der Erotik-Magazine zur festen Möblierung der westlichen Medienlandschaft gehörten. Der Playboy, 1953 von Hugh Hefner gegründet, war dabei stets mehr als ein Männermagazin: Er verstand sich als Lifestyle-Produkt, druckte Interviews mit Schriftstellern, Politikern und Intellektuellen und prägte über Jahrzehnte, wie Erotik im Mainstream verhandelt wurde. Mit dem Internet begann der lange Abstieg des Genres. Die Auflagen brachen ein, viele Titel verschwanden vom Markt, und das US-Mutterheft des Playboy stellte seine regelmäßige Printausgabe schließlich ein.

Umso bemerkenswerter ist, was seit dem 11. Juni in deutschen Zeitschriftenregalen liegt: Mit dem „BestFans Insider" hat die gleichnamige Creator-Plattform ein neues Erotik-Magazin gestartet – als gedrucktes Quartalsheft, mitten in einer Zeit, in der die Medienbranche fast geschlossen in die entgegengesetzte Richtung marschiert.

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Der Vergleich mit dem berühmten Vorgänger liegt nahe, und bei BestFans weicht man ihm nicht aus. „Der Vergleich liegt natürlich nahe. Unser Ansatz ist jedoch ein anderer", sagt Germaine, Account & Talent Relations Managerin der Plattform. „Beim BestFans Insider stehen für mich vor allem die Menschen hinter den Profilen im Mittelpunkt. Wer sind die Creator? Wie sind sie zu dem gekommen, was sie heute machen? Was bewegt sie?"

Der Unterschied ist tatsächlich mehr als rhetorisch. Der klassische Playboy war ein kuratiertes Produkt: Eine Redaktion wählte aus, inszenierte, definierte ein Schönheitsideal und verkaufte es an ein überwiegend männliches Publikum. Die abgebildeten Frauen waren Modelle im Wortsinn – Projektionsflächen, deren eigene Stimme im Heft allenfalls als Beiwerk vorkam. Der „BestFans Insider" dreht dieses Verhältnis um: Die porträtierten Personen sind Creator, die auf der Plattform ohnehin selbst bestimmen, welche Inhalte sie produzieren und vermarkten. Das Magazin erzählt ihre Geschichten – es erfindet sie nicht.

„Erotik gehört selbstverständlich dazu, schließlich ist sie Teil der Branche", räumt Germaine ein. „Aber wir möchten mehr zeigen als nur schöne Bilder. Wir möchten Geschichten erzählen, Persönlichkeiten vorstellen und Einblicke geben, die man sonst oft nicht bekommt." Der Playboy sei für das Projekt „weniger eine Vorlage als vielmehr ein Beweis dafür, dass Menschen schon immer neugierig auf die Geschichten hinter bekannten Gesichtern waren".

Das ist ein interessanter Gedanke, weil er den historischen Erfolg des Genres neu deutet. Vielleicht, so die These, verkauften sich Erotik-Magazine nie nur über nackte Haut, sondern immer auch über Persönlichkeit, Inszenierung und das Versprechen von Nähe zu Menschen, die man sonst nur aus der Ferne kannte. Genau dieses Versprechen haben Creator-Plattformen in den vergangenen Jahren perfektioniert – nur eben digital, direkt und ohne redaktionellen Filter. Dass eine solche Plattform nun den Weg zurück ins Heft findet, wäre demnach keine Nostalgie, sondern konsequent.

Für die erste Ausgabe hat die Redaktion nach eigenen Angaben bewusst nicht nur auf Bekanntheit geachtet. „Bei der Auswahl haben wir nicht nur auf Reichweite geschaut", erklärt Germaine. „Uns war wichtig, eine gute Mischung aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, Geschichten und Themen zu schaffen. Jeder Creator bringt seine eigene Community, seinen eigenen Weg und seine eigene Geschichte mit." Persönlichkeit, Authentizität und spannende Geschichten hätten „genauso im Fokus" gestanden wie Prominenz.

Bleibt die große Frage, ob das Genre insgesamt vor einem Comeback steht. Erleben wir eine Renaissance des erotischen Magazins? Germaine antwortet differenziert: „Ich glaube, wir erleben weniger eine Renaissance des klassischen Erotik-Magazins als vielmehr eine Weiterentwicklung davon. Die Art, wie Menschen Inhalte konsumieren, hat sich verändert. Heute interessieren sich viele nicht nur für Bilder, sondern auch für die Persönlichkeiten und Hintergründe dahinter."

Eine Prognose für das kommende Jahrzehnt will sie nicht abgeben – mit einer Ausnahme: „Ob es in zehn Jahren wieder deutlich mehr erotische Print-Magazine geben wird, kann ich natürlich nicht vorhersagen. Aber ich glaube schon, dass hochwertige Print-Produkte auch in Zukunft ihren Platz haben werden – gerade dann, wenn sie etwas bieten, das man online so nicht bekommt. Menschen werden neugierig auf andere Menschen bleiben. Und gute Geschichten werden nie aus der Mode kommen."

Hugh Hefner hätte diesen letzten Satz vermutlich unterschrieben. Der Unterschied ist nur: Diesmal entscheiden die Menschen auf den Bildern selbst, welche Geschichten erzählt werden.

Konrad Vers
Artikel von

Konrad Vers

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