Nach dem Wirbel um die zeitweise abgesagte Gedenkveranstaltung zum 150. Jubiläum der Richard-Wagner-Festspiele steht nun das Programm fest. Der jüdische Publizist Michel Friedman, dessen Ausladung für scharfe Kritik gesorgt hatte, wird einen Vortrag halten mit dem Titel «Über Bayreuth, über Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse».
Die Festspiele hatten Schlagzeilen damit gemacht, dass Friedman zu der Gedenkveranstaltung mit dem Titel «Verstummte Stimmen» für während der NS-Zeit verfolgte jüdische Musiker erst ein- und dann wieder ausgeladen wurde.
Statt Christian Thielemann, der nach Medienberichten im Gespräch gewesen sein soll, wird Semyon Bychkov dirigieren. Gespielt werden Richard Wagners Siegfried-Idyll und ein Klavier-Quartett von Gustav Mahler. Der Eintritt ist frei, allerdings wird um Spenden gebeten, die laut Festspiel-Homepage «über das Keshet Eilon Music Center jungen israelischen Musikerinnen und Musikern zugute» kommen soll.
Veranstaltungsort ist laut Homepage der Bayreuther Festspiele - anders als zunächst angekündigt - nicht das Friedrichsforum, sondern das Bayreuther Festspielhaus auf dem berühmten Grünen Hügel, in dem am Abend dann eine Neuinterpretation von Wagners Oper «Rienzi» aufgeführt werden soll.
Katharina Wagner: «Fatale Fehleinschätzung»
Die Intendantin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, hatte die Absage der Gedenkveranstaltung mit einem «hausintern erheblichen Kommunikationsdefizit» begründet und von einer «fatalen Fehleinschätzung» gesprochen. In einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag) sagte sie: «Bitte verstehen Sie, wenn ich dazu nicht mehr sagen will, außer: Ich trage als Leiterin dieser Festspiele die Verantwortung.» Sie fügte hinzu: «Das alles tut mir von Herzen leid».
Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU), der - wie zahlreiche andere - sehr kritische Worte für die Ausladung Friedmans gefunden und von einem «mehr als unglücklichen» Umgang mit dem Thema gesprochen hat, sagt nun der Deutschen Presse-Agentur: «Ich freue mich sehr, dass die Gedenkveranstaltung nun stattfindet. Ich zolle Katharina Wagner höchsten Respekt, wie sie hier Verantwortung übernimmt. Das zeugt von wahrer Größe. Mit ihrer aufrichtigen Haltung setzt sie ein notwendiges Zeichen und bezieht klar Position gegen jede Form von Antisemitismus.»
Der Komponist Richard Wagner (1813-1883), Gründer der Bayreuther Festspiele, verfasste antisemitische Schriften und äußerte sich auch immer wieder klar antisemitisch. Später galten die Festspiele als eng verflochten mit nationalistisch-völkischem Gedankengut und schließlich mit dem Nationalsozialismus. Adolf Hitler war immer wieder Gast in Bayreuth. Katharina Wagners Großmutter Winifred Wagner, die die Festspiele damals leitete, galt als glühende Verehrerin.
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten