Vier Mal hat Christian Stückl die weltberühmten Passionsspiele in Oberammergau inszeniert. Schon vor einem Jahr machte er klar: Er würde auch ein fünftes Mal die Spielleitung übernehmen. Nun muss er sich dennoch bewerben. Der Gemeinderat entschied kürzlich mit deutlicher Mehrheit, die Oberammergauer für die nächste Passion 2030 erstmals in der jahrhundertelangen Geschichte zur schriftlichen Bewerbung um die Spielleitung aufzurufen. Auch früher wählte in der Regel der Gemeinderat zwischen Interessenten - jedoch ohne ein solches Verfahren.
Bürgermeister: Transparenz schaffen
«Es geht nicht darum, dass man ihn nicht mehr haben will», betont Bürgermeister Andreas Rödl mit Blick auf Stückl. Vielmehr gehe es darum, mehr Transparenz zu schaffen und zu sehen, ob es Bewerber gebe, an die man bisher nicht gedacht habe. Die Gemeinde wolle sich nicht vorwerfen lassen, dass die Spielleitung hinter geschlossenen Türen ausgekartelt werde.
Stückl, Ehrenbürger des Ortes und für seine Arbeit für die Passionsspiele vielfach hochkarätig ausgezeichnet, ist enttäuscht. Dem Intendanten des Münchner Volkstheaters mangelt es keineswegs an Arbeit. Aber die Passion ist mehr. «Da hängt mein Herz dran.»