Städten geht es wie Menschen: Irgendwann sterben auch sie. Die Ruinen untergegangener Orte aus dem Altertum wie Pompeji in Mittelitalien oder Korinth auf dem Peloponnes ziehen jährlich Millionen Besucher an. Doch in der Antike selbst, als viele der heute bewunderten Stätten bereits in Trümmern lagen oder dem Erdboden gleichgemacht wurden, war das anders, wie der Münchner Althistoriker Martin Zimmermann in seinem jüngst erschienenen Buch «Versunkene Welten» schreibt.
Den antiken Zeitgenossen habe «eine besondere Ehrfurcht vor alten Ruinen» gefehlt, schreibt der Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität. Sie hätten sich die Ruinen eher über die Plünderung von Kunstwerken oder als Material für neue Wohnungen angeeignet. So wurde etwa Persepolis, die Hauptstadt der Perser, nach der Zerstörung durch Alexander den Großen im dritten Jahrhundert vor Christus für einen wenige Kilometer entfernten Siedlungsbau geplündert. Denkmalschutz? Damals undenkbar.