«Es ist nicht so, dass meine Großmutter und mein Großvater die perfekte Ehe geführt hätten. Sie sammelte Puppen und schaute das "Glücksrad". Er las Heinrich Böll und liebte die Fußballsendung "ran". Niemand führt eine perfekte Ehe. Und vielleicht hatten sie nicht einmal eine gute. Eher hatten sie halt eine.»
So beschreibt die Autorin Alexandra Stahl die Beziehung ihrer geliebten Großeltern, mit denen sie zusammen aufwuchs und denen sie einen großen Teil ihres Buchs «Tschikago» widmet. Es ist ein Blick zurück in eine entschwundene, behagliche Welt in der unterfränkischen Provinz, von der aus bereits das nahe Frankfurt als monströse Bedrohung erscheint.
Nicht umsonst lautet die ewige Warnung des Großvaters an die neugierige Enkelin: «Frangfodd is schlimmer als Tschikago!» Wahrscheinlich genau deswegen hat der gelernte Elektriker auch in grauer Vorzeit auf die Auswanderung in die USA verzichtet. Viel zu gefährlich dieses «Tschikago».