Die Opernkrise gehört der Vergangenheit an - zumindest in der Bayerischen Staatsoper. Das Münchener Traditionshaus freut sich über nahezu ausverkaufte Ränge in der laufenden Saison. «Die Bayerische Staatsoper ist für viele Menschen ein Zuhause. Das zeigt sich auch an der Auslastung: In der Sparte Oper liegt sie derzeit bei 99 Prozent, beim Bayerisches Staatsballett sogar bei 100 Prozent», sagte Opernintendant Serge Dorny der Deutschen Presse-Agentur.
Darüber hinaus sei die Staatsoper ein wichtiger Begegnungsort für die Stadt - und die Entwicklung vor allem beim jüngeren Publikum erfreulich. «Formate wie Oper für alle, die "Apollon Stufenbar" oder unsere U-30-Tickets tragen dazu bei, dass immer mehr junge Menschen den Weg zu uns finden», sagte Dorny.
München an der Spitze der großen deutschen Opernhäuser
Damit legt das Haus zur Präsentation der neuen Spielzeit Zahlen vor, die noch besser sind als vor der Corona-Krise. «Es geht den Theatern insgesamt ganz gut, wie auch die Theaterstatistik 2023/2024 zeigt, die wir nächste Woche rausbringen», sagt Claudia Schmitz, geschäftsführende Direktorin des Deutschen Bühnenvereins. «Aber die Bayerische Staatsoper ist da schon besonders erfolgreich - und von den großen Opernhäusern klar an der Spitze. Mehr geht nicht. Mehr als 99 Prozent bedeutet ja, dass die mal irgendwann versehentlich zwei Karten nicht verkauft haben.»
Laut der jüngsten vorliegenden Theaterstatistik folgen hinter München die Semperoper in Dresden und die Komische Oper in Berlin. In der Saison 2023/24 hatten die Theater in Deutschland laut Bühnenverein insgesamt 25,3 Millionen Besucher - ein Plus von 13 Prozent zur Saison davor.
Abos, die sich quasi vererben
Die Oper in der bayerischen Landeshauptstadt nimmt in jeder Hinsicht einen Sonderplatz ein. «München hat immer schon herausragend gute Zahlen und eine starke Auslastung. Die freuen sich auch über super Abo-Zahlen», sagte Bühnenvereins-Geschäftsführerin Schmitz. «Das liegt daran, dass die Oper in der Stadt eine große Tradition hat und sich die Abos sozusagen vererben. München wird als Kulturhauptstadt offensiv kommuniziert.»
Aus ihrer Sicht liegt der Münchner Erfolg auch am Drumherum. «Die Münchner öffnen ihr Haus, haben diese Stufenbar, da wird so ein Opernabend richtig zelebriert und ein Theaterbesuch als Gesamterlebnis gesehen, als schöner Abend, für den man sich schick macht, als soziales Event, Zusammentreffen. Es geht darum: Wir zelebrieren das Momentum, und wir zelebrieren auch ein bisschen uns in dem Ambiente.»
Neue Saison im Zeichen Richard Wagners
In der kommenden Saison, die das Opernhaus nun vorgestellt hat, geht das vor allem bei einem der Münchner Hausgötter: Richard Wagner. Für die Spielzeit 2026/27 stehen die großen «Ring»-Opern «Siegfried» und «Götterdämmerung» in der Inszenierung des Hamburger Opern-Intendanten Tobias Kratzer unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski auf dem Programm. «Richard Wagner ist für München fast wichtiger als für Bayreuth. Wagner-Opern funktionieren beim Münchner Publikum besonders gut, werden aber auch besonders kritisch beäugt», sagte Jurowski der dpa.
«Verging wie Hauch der Götter Geschlecht» - Worte aus der Schlussszene der «Götterdämmerung» sind das Motto der Spielzeit, die sich schwerpunktmäßig mit autoritären Strukturen und totalitären Systemen auseinandersetzen will.
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