«Schulter an Schulter» mit Polizei und Rettungskräften wollte die Bundeswehr in Bayern trainieren, acht Tage lang, in der Öffentlichkeit. Das Szenario: Hinter einer fiktiven Frontlinie bedrohen Drohnen, Saboteure und Bewaffnete ohne Armeezugehörigkeit die Sicherheit – und die Feldjäger müssen mit der Polizei dagegen vorgehen. Doch schon am ersten Tag geht die Zusammenarbeit mächtig schief: Feldjäger werden von der Polizei beschossen – mit scharfer Munition. Ein Soldat wird angeschossen und verletzt. Wie konnte das passieren?
Wie kam es zu den Schüssen?
Viele Fragen dazu sind noch offen. Die Polizei sprach zunächst von einer «Fehlinterpretation vor Ort». Alarmiert worden war die Polizei demnach am Mittwoch nach 17.00 Uhr, weil jemand von einer vielbefahrenen Bundesstraße aus einen bewaffneten Mann im Tarnanzug gesehen hatte. Daraufhin habe die Einsatzzentrale «starke Kräfte» dorthin geschickt, es fielen Schüsse. Nach dpa-Informationen handelte es sich um einen Schusswechsel zwischen Soldaten und der Polizei. Darüber, ob es sich bei den von den Soldaten abgegebenen Schüssen um Schreckschüsse gehandelt hatte, gab es zunächst keine gesicherten Angaben. Auf solchen Manövern wird von Soldaten aber üblicherweise keine scharfe Munition eingesetzt.
Dabei wurde einer der Bundeswehr-Soldaten von einem Schuss der Polizei getroffen und verletzt. Erst im Nachgang habe sich herausgestellt, dass der Mann wegen der Übung dort bewaffnet unterwegs war, teilte die Polizei mit. Die Hintergründe würden nun ermittelt.
Ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr sagte, die Feldjäger versuchten in Zusammenarbeit mit der Polizei aufzuklären, wie es zu dem Missverständnis kommen konnte. Die Bundeswehr hatte vor der Übung angekündigt, dass dabei Feldjäger auch als «irreguläre Kräfte» unterwegs sein, also die bewaffneten Kämpfer ohne Armeezugehörigkeit darstellen sollten. Ob die bei den im Schusswechsel involvierten Soldaten dazugehörten, war zunächst nicht klar. Der Landrat des Kreises Erding, Martin Bayerstorfer (CSU) sprach von «katastrophaler Kommunikation» zwischen Polizei und Bundeswehr.