Ein neuer Index zeigt, wie lebenswert die 25 größten deutschen Städte für Hunde sind. Während im Norden Hannover die Rangliste anführt, landen München und Nürnberg gemeinsam auf dem letzten Platz. Woran das liegt – und warum wirtschaftliche Stärke allein für ein glückliches Hundeleben nicht reicht.
Rund 10,6 Millionen Hunde leben nach aktuellen Schätzungen in deutschen Haushalten – so viele wie nie zuvor. Für viele Halter sind die Vierbeiner längst feste Familienmitglieder. Doch nicht jede Großstadt bietet die Voraussetzungen, die ein Hundeleben wirklich lebenswert machen. Der aktuelle „Dog Wellbeing Index 2026" von Coway Europe, einem Unternehmen für Luftfilter, hat die 25 größten deutschen Städte auf ihre Hundefreundlichkeit untersucht. Für die bayerischen Metropolen ist das Ergebnis ernüchternd.
München und Nürnberg teilen sich den letzten Platz
Im Fokus der Untersuchung stehen zwei der wichtigsten Städte Bayerns: München und Nürnberg. Beide Städte erreichen im Index lediglich 19,2 von 70 möglichen Punkten und teilen sich damit den letzten Platz im bundesweiten Vergleich. Knapp davor liegen Mannheim (20 Punkte) und Stuttgart (20,1 Punkte) – auffällig ist: Vier der fünf schlechtesten Plätze belegen süddeutsche Städte.
Besonders bemerkenswert ist der Abstand zur Spitze: Hannover erreicht mit 55,1 Punkten fast das Dreifache der bayerischen Metropolen. Während München und Nürnberg in Wirtschafts- und Lebensqualitäts-Rankings für Menschen regelmäßig Spitzenplätze belegen, zeigt der Dog Wellbeing Index ein anderes Bild, wenn es um das Wohlbefinden der Vierbeiner geht.
Luftqualität als entscheidender Faktor
Die Studie macht deutlich: Feinstaub schadet nicht nur Menschen, sondern auch Hunden. Weil Vierbeiner mit ihrer Nase dichter am Boden unterwegs sind, atmen sie bei jedem Spaziergang besonders viel belastete Luft ein. Chronische Atemwegsprobleme, Allergien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein – gerade bei kurznasigen Rassen wie Französischen Bulldoggen, Möpsen oder Boxern, die auch in Bayern zu den beliebtesten Hunden zählen.
Im Ranking zeigt sich: Städte mit hoher Feinstaubbelastung rutschen deutlich ab. In München trifft die dichte Innenstadtbebauung auf eines der höchsten Verkehrsaufkommen Deutschlands, in Nürnberg kommt die Lage im Windschatten des Frankenwaldes hinzu. Beides drückt die PM2.5-Werte – und damit die Punktzahl im Index.
Coway Europe kommentiert: „Die Daten zeigen deutlich, dass Luftqualität ein entscheidender Faktor für das Gesamtwohlbefinden ist. Städte mit schlechteren Luftbedingungen schneiden durchgehend schlechter ab – unabhängig von ihrer Infrastruktur."
Grünflächen: Mehr Beton als Bewegungsfreiheit
Ein weiterer Schwachpunkt bayerischer Metropolen ist der Zugang zu frei zugänglichen Grünflächen. Zwar ist München bekannt für den Englischen Garten, eine der größten innerstädtischen Parkanlagen Europas – doch gemessen am Stadtgebiet und der Einwohnerzahl bleibt das Angebot an Auslaufflächen begrenzt. In vielen Parks gilt zudem ganzjährige Leinenpflicht, wodurch Hunde kaum Gelegenheit zum freien Toben bekommen.
Auch in Nürnberg ist die Situation angespannt: Der Reichswald vor den Toren der Stadt ist zwar ein Paradies für Hunde, innerhalb des dicht bebauten Stadtgebiets sind die Möglichkeiten jedoch überschaubar. Zum Vergleich: Spitzenreiter Hannover punktet im Index mit einem besonders ausgewogenen Mix aus innerstädtischen Parks, Hundewiesen ohne Leinenpflicht und der Nähe zur Eilenriede – einem der größten Stadtwälder Europas.
Infrastruktur: Licht und Schatten
Immerhin: Bei der tierärztlichen Versorgung und den Hundeschulen schlagen sich München und Nürnberg besser. Gerade in München ist die Dichte an Fachtierarztpraxen, Hundephysiotherapie-Angeboten und spezialisierten Trainern hoch. Hunderassen-spezifische Ausbildungen, Mantrailing, Agility oder Dummytraining – all das findet man in Bayerns Landeshauptstadt in großer Vielfalt.
Doch diese Angebote können die Defizite bei Luftqualität und Grünflächen nicht vollständig kompensieren. Auch hohe Hundesteuern (in München aktuell 100 Euro pro Jahr für den Ersthund, bei als gefährlich eingestuften Hunden 800 Euro) und strenge bayerische Leinen- und Maulkorbregelungen wirken sich belastend auf den Hundealltag aus.
Vergleich: Was die Spitzenreiter besser machen
Der Blick auf die erfolgreichen Städte zeigt das Rezept: Hannover (55,1 Punkte), Duisburg (39,4 Punkte) und Hamburg (39,3 Punkte) verbinden gute Luftwerte mit ausreichend Grünflächen, einer hohen Dichte an Tierärzten, Hundeschulen und Pensionen – und einer überdurchschnittlichen Hundepopulation pro Einwohner. Besonders Hamburg zeigt, dass auch Millionenstädte hundefreundlich sein können, wenn Wasserflächen, Parks und eine dezentrale Infrastruktur zusammenkommen.
Bayern jenseits der Großstädte: Das Land als Alternative
Innerhalb Bayerns zeichnet sich ein differenziertes Bild ab. Während die großen Städte im Ranking zurückfallen, bieten mittelgroße Städte und ländliche Regionen – etwa das Allgäu, die Fränkische Schweiz oder das Berchtesgadener Land – deutlich bessere Bedingungen für Hunde. Mehr Natur, weniger Verkehr und größere Auslaufmöglichkeiten sorgen dort für ein anderes Lebensumfeld. Der Index berücksichtigt jedoch ausschließlich die 25 einwohnerstärksten deutschen Städte, weshalb diese Unterschiede nur indirekt sichtbar werden.
Fazit: Herausforderung für die urbane Entwicklung
Der Dog Wellbeing Index 2026 macht deutlich, dass Lebensqualität für Hunde zunehmend als Bestandteil moderner Stadtentwicklung betrachtet werden muss. Für bayerische Städte ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Neben wirtschaftlicher Stärke müssen künftig stärker Umweltfaktoren, Freiraumkonzepte und hundegerechte Infrastruktur in den Fokus rücken.
Coway Europe fasst zusammen: „Städte, die langfristig attraktiv für Menschen und ihre Haustiere sein wollen, müssen urbane Entwicklung und Umweltqualität stärker miteinander verbinden."