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Lange aufgegebene Hobbys wieder aufnehmen: Warum das wohlüberlegt sein sollte

Lange aufgegebene Hobbys wieder aufnehmen: Warum das wohlüberlegt sein sollte
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Von: Manfred Schulz
Die alte Gitarre steht noch auf dem Dachboden gleich neben der Kameraausrüstung, das Motorrad wurde vor Jahren verkauft und die Modelleisenbahn hat seit dem Umzug keinen festen Platz mehr. Irgendwann kommt trotzdem der Gedanke: Eigentlich könnte man wieder anfangen. Das kann eine hervorragende Idee sein – wenn man dabei nicht nur der Erinnerung hinterherläuft.

Wohl jeder Leser dieser Zeilen dürfte schon mal ein Hobby aufgegeben haben. Meist aus einem ganz typischen Grund: Ein Hobby verschwindet selten deshalb aus dem Leben, weil es plötzlich keinen Spaß mehr macht. Häufig ändern sich schlicht die Umstände. Beruf und Familie brauchen mehr Zeit, der Platz fehlt oder andere Interessen rücken nach vorn. Zehn oder zwanzig Jahre später sieht die Welt wieder anders aus – und mit ihr kehrt manchmal die Lust auf das zurück, was früher selbstverständlich zum Alltag gehörte.

Wer ein altes Hobby wieder aufnimmt, beginnt allerdings nicht genau dort, wo er damals aufgehört hat. Die eigenen Möglichkeiten haben sich verändert, oftmals auch das Hobby selbst. Deshalb lohnt sich vor dem Neustart ein kleiner Realitätscheck.

Vorsicht vor der Nostalgiefalle

Das menschliche Gehirn kann in Sachen Erinnerungen ein kleiner Betrüger sein. Denn es neigt dazu, eher Positives zu speichern und negativere Dinge sogar positiv zu verklären – fachsprachlich genannt Positivity Effect.

Für alte Hobbys ist das natürlich ein hervorragender Verkäufer:


Deutlich weniger präsent sind meistens die Dinge, die uns am Hobby störten. Seien es der Wartungsaufwand, erfolglose Reparaturversuche oder die Tatsache, dass das Steckenpferd ziemlich hohe Unterhaltskosten benötigte. 

Sofern man nicht nahtlos durch noch Vorhandenes wieder einsteigen kann, sollte man deshalb überlegen, was genau am früheren Hobby eigentlich gefehlt hat. Doppelt gilt das, wenn größere Investitionen nötig sind – ein neues Kameraset für mehrere Tausend oder ein Motorrad für über Zehntausend Euro etwa.

Bei der Frage ist Ehrlichkeit elementar: War es tatsächlich die Tätigkeit selbst? Oder vermisst man eher eine bestimmte Lebensphase, alte Freunde oder das Gefühl, damals mehr freie Zeit gehabt zu haben? Also Dinge, die zwar mit dem Hobby verbunden sind, aber es nur mittelbar betreffen.

Das klingt mitunter philosophischer, als es sein muss. Für die praktische Entscheidung macht es jedoch einen großen Unterschied.

Beispiel: Wer früher gern fotografiert hat, muss nicht automatisch wieder eine komplette Kameraausrüstung anschaffen. Vielleicht steckt hinter der Sehnsucht eigentlich nur der Wunsch, wieder häufiger bewusst unterwegs zu sein.

Erst ausprobieren, dann ausrüsten

Gerade bei einem früher intensiv betriebenen Hobby entsteht für den Neubeginn schnell ein gefährlicher Gedanke: Wenn schon, denn schon.

Das ist deshalb gefährlich, weil es dazu führt, nicht zuletzt finanziell direkt ans Eingemachte zu gehen:

  • Trotz 20-jähriger Sattel-Abstinenz wird gleich die größte, leistungsstärkste Maschine gekauft.
  • Obwohl die Finger seit zehn Jahren kein Riff mehr spielten, wird es natürlich die Oberklasse-E-Gitarre.

Und selbstverständlich entdeckt man zwangsläufig (zumindest bei vielen Hobbys) wie viel bessere Technik es inzwischen gibt.

Warum das gefährlich ist? Nun: Erstens verführt es dazu, viel Geld auszugeben, obwohl man noch gar nicht abschließend weiß, ob man wirklich wieder dauerhaft voll einsteigen möchte. Zweitens können besonders hochwertige Utensilien schlichtweg zu leistungsstark sein – nicht nur bei Motorisiertem durchaus gefährlich.

Hinzu kommt abermals die Nostalgie: Nicht selten tendieren wir beim Wiedereinstig dazu, gleich ans Eingemachte zu gehen, weil wir uns damals das Hobby niemals auf dem Niveau leisten konnten. Da wird die handgefertigte Signature-Gitarre quasi zur Wiedergutmachung fürs frühere Ich.

Vernünftiger, risikoärmer und sinnvoller ist jedoch meistens ein Neustart in Etappen. Möglichkeiten gibt es genug:Vorhandene Ausrüstung zunächst wieder benutzen 

  • Geräte, Utensilien oder Fahrzeuge für kurze Zeit mieten
  • Gebraucht statt neu kaufen
  • Einen Kurs, Verein oder eine offene Werkstatt ausprobieren.

Nach einigen Wochen merkt man meist ziemlich zuverlässig, ob die alte Begeisterung tatsächlich zurückgekommen ist oder ob vor allem die Vorstellung davon reizvoll war – und hat dann wenigstens nicht viel Geld ausgegeben. Apropos Finanzen:

Alte Hobbys können heute deutlich andere Kosten verursachen

Alles wird teurer. Das ist nicht nur eine Redensart. Manche Ausrüstung ist technisch deutlich anspruchsvoller geworden, andere Produkte haben sich aus rein marktwirtschaftlichen Gründen verteuert. Gleichzeitig kann der eigene Anspruch gestiegen sein. Wer mag, kann deshalb einmal vergleichen, was früher ein Einstieg in das Hobby kostete und was heute dafür zu bezahlen ist – kaufkraftbereinigt, wohlgemerkt.

Dabei zählt nicht nur der Anschaffungspreis. Je nach Hobby kommen laufende Ausgaben für Verbrauchsmaterial, Wartung, Mitgliedschaften oder Lagerung hinzu. Ein Motorrad braucht beispielsweise nicht nur einen Kaufpreis im Budget. Und aus einer vermeintlich überschaubaren Heimwerkerleidenschaft kann schnell eine beachtliche Sammlung an Maschinen entstehen.

Vor größeren Anschaffungen hilft deshalb eine einfache Rechnung:


Gerade der vorletzte Punkt verhindert, dass die anfängliche Euphorie später von finanzieller Reue abgelöst wird.

Bei einem kostspieligen Wiedereinstieg muss man zudem nicht zwangsläufig alles auf einmal aus den Ersparnissen bezahlen. Wer eine größere Anschaffung finanzieren möchte, kann beispielsweise einen Sofortkredit online vergleichen. Dabei sollte allerdings dieselbe Regel gelten wie beim Kauf der Ausrüstung selbst: Erst prüfen, was dauerhaft ins eigene Budget passt, dann entscheiden.

Auch die verfügbare Zeit hat sich verändert

Geld lässt sich relativ leicht ausrechnen. Zeit ist hingegen tückischer. Vielleicht konnte man früher jeden Samstag am Motorrad schrauben oder drei Abende pro Woche im Proberaum verbringen. Heute hingegen existieren möglicherweise Familie, ein anspruchsvollerer Beruf oder andere Verpflichtungen, die damals noch keine Rolle spielten.

Deshalb sollte man nicht nur fragen: „Kann ich mir das leisten?" sondern ebenso: „Wann mache ich das eigentlich?"

Ein Hobby, das zwei freie Stunden pro Woche benötigt, lässt sich leichter wieder etablieren als eines, für das regelmäßig ganze Wochenenden draufgehen. Das ist kein Argument gegen zeitintensive Steckenpferde. Man sollte nur ehrlich kalkulieren, ob dafür tatsächlich genügend Raum vorhanden ist.

Man selbst ist ebenfalls nicht mehr derselbe

Nach längerer Pause kann außerdem die unangenehme Erkenntnis warten, dass frühere Fähigkeiten nicht mehr vollständig vorhanden sind. Das gilt für Sport ebenso wie für Musik, Handwerk oder technisch anspruchsvolle Freizeitbeschäftigungen.

Das ist normal. Muskelgedächtnis und Erfahrung helfen häufig beim Wiedereinstieg, ersetzen aber keine Übung. Bei körperlich anspruchsvollen oder potenziell gefährlichen Hobbys sollte man deshalb lieber etwas vorsichtiger anfangen.

Auch die eigenen Wünsche können sich verändert haben. Vielleicht reizt heute am Motorrad weniger die Geschwindigkeit als eine entspannte Tour. Vielleicht ist beim Fotografieren nicht mehr die Technik interessant, sondern das Motiv. Ein Wiedereinstieg muss keine exakte Kopie der Vergangenheit werden.   

Anstelle eines Fazits: Ein altes Hobby darf sich neu erfinden

Gerade darin liegt möglicherweise der größte Reiz. Man bringt beim zweiten Anlauf mehr Erfahrung mit und kennt sich selbst meist besser. Gleichzeitig muss man niemandem mehr beweisen, wie ernsthaft man das Hobby betreibt.

Deshalb lohnt es sich, klein anzufangen und erst einmal zu beobachten, was von der alten Begeisterung übriggeblieben ist. Entwickelt sich daraus wieder eine echte Leidenschaft, kann man später immer noch mehr Zeit und Geld investieren.

Ein lange aufgegebenes Hobby wieder aufzunehmen, kann enorm bereichernd sein. Man sollte jedoch nur nicht versuchen, eine frühere Lebensphase zu kaufen. Besser ist es, herauszufinden, welchen Platz das alte Interesse heute im eigenen Leben haben kann.

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Manfred Schulz
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