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Womit der Freistaat Bayern jetzt im Weltraum vertreten ist

Die Arbeit an den kleinen Satelliten ist äußerst kompliziert. (Archivbild) / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Arbeit an den kleinen Satelliten ist äußerst kompliziert. (Archivbild) / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Neun Würzburger Kleinsatelliten starten aus Kalifornien und liefern alle drei Tage multispektrale Daten für Bayern zur Wald- und Hochwasserüberwachung.

Seit dem 7. Juli 2026, 9.00 Uhr deutscher Zeit, ist die bayerische Staatsregierung mit eigenen Satelliten im Weltraum vertreten. Mit einer Rakete von SpaceX, der Weltraumfirma von Multimilliardär Elon Musk, wurden neun in Würzburg entwickelte Kleinsatelliten ins All gebracht. Sie sollen frühzeitig Waldschäden in Bayern erkennen oder den Katastrophenschutz etwa bei Hochwasser unterstützen. 

«Wir schreiben bayerische Raumfahrtgeschichte», sagte Bayerns Heimat- und Finanzminister Albert Füracker (CSU). Die Flugzeit vom US-Bundesstaat Kalifornien aus betrug ihm zufolge etwa 50 Minuten für knapp 600 Kilometer. Der Freistaat habe damit die erste eigene operative Satellitenmission unternommen. «Sie funken schon», berichtete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). 

Die 14 Kilogramm schweren Satelliten von der Größe eines Aktenordners würden viele nützliche Bilder für Landwirtschaft, Hochwasserprognosen und auch Klimawandel liefern. Erste Bilder könnten die Satelliten aber erst in etwa sechs Monaten liefern, so lange bräuchten sie, bis sie ihre Ziellaufbahn erreichten. «So sind erste Bilder aus dem Orbit noch in diesem Jahr zu erwarten», prognostizierte Füracker. 

Walddetektion wegen Trockenheit

«Es war ein Bilderbuchstart. Die Satelliten sind in verschiedene Richtungen verteilt worden», sagte Klaus Schilling vom Zentrum für Telematik (ZfT) in Würzburg. Aufgabe von fünf Satelliten sei es künftig, alle drei Tage Bilder und Daten von Bayern zu liefern für Hochwasserprognosen oder die Land- und Forstwirtschaft. Multispektralkameras sollen insbesondere Waldschäden durch Trockenheit frühzeitig feststellen.

Fünf der neun Satelliten gehören zum Projekt namens «CuBy». Dieses Projekt soll die Erkenntnisse dem Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in München sowie den Bayerischen Staatsforsten, der Landwirtschaft und dem Katastrophenschutz zur Verfügung stellen. 

Keine Personen erkennbar

Die Rohdaten seien mathematisch höchst komplexe Berechnungen, die mithilfe von künstlicher Intelligenz ausgewertet, weiterverarbeitet und nutzerfreundlich aufbereitet würden. Mit einer Auflösung von circa vier Metern pro Pixel werde ein etwa 80 Kilometer breiter Streifen Bayerns aufgenommen. Um ganz Bayern abzudecken, bräuchte es 25 derartige Satelliten. «Personen können nicht erkannt werden, davor muss niemand Angst haben», sagte Füracker – stellte aber in Aussicht, dass man weitere Anwendungsfälle abdecken werde. Das Projekt sei maßgeschneidert für Verwaltungsaufgaben. 

Knapp 18 Millionen Euro 

Im Drei-Tages-Takt sollen die Satelliten Bilder und Daten liefern. Bisher sei das nur alle zwei Jahre möglich gewesen, aus dem Flugzeug und mit sehr hohem Aufwand. «Wir investieren dafür aus der Hightech Agenda Plus für diese Demonstrator-Mission 18,2 Millionen Euro in eine boomende Zukunftstechnologie der Kleinstsatelliten», betonte Füracker. Für die «Vollmission» wäre dann vorgesehen, viele Projektpartner zu finden, die sich beteiligen. Andere Bundesländer hätten das Projekt bereits mit Interesse verfolgt. «Wir schlagen ein völlig neues Kapitel auf», sagte er. 

Für Söder ist klar: «Der Erfolg ist die Pionierleistung.» Entscheidend sei bei einer solchen Mission, dass letztlich alles funktioniere und Daten gesendet werden. «Wir reden jetzt nicht irgendwie von einem Mähroboter oder Ähnlichem, sondern es ist tatsächlich jetzt absolutes Neuland.» Man werde die Bilder auswerten, und wenn sich das Ganze als optimal erweise, werde es ausgebaut.

Internationale Zusammenarbeit

Zusätzlich zu den fünf «CuBy-Satelliten» sollen drei weitere sogenannte TOM-Satelliten aus verschiedenen Richtungen auf ein Zielgebiet schauen und so 3D-Aufnahmen erzeugen, beispielsweise um bei Katastrophenlagen zu unterstützen. Dazu arbeiteten die Wissenschaftler mit Partnern auf fünf Kontinenten zusammen, um die Daten zeitnah weiterzuleiten.

Satellit Nummer 9 ist den Angaben zufolge ein Vorerkundungsexemplar. Er soll Informationen für eine spätere Mission zum Thema Klimavorhersagen liefern.

Kleine Satelliten – in diesem Fall so groß wie ein Schuhkarton – sind in der Entwicklung und bei der Platzierung in der Umlaufbahn deutlich günstiger als ihre großen Geschwister. Nach Schillings Angaben sind mit der Rakete so viele in Europa gefertigte Satelliten gleichzeitig ins All gestartet wie noch nie.

Würzburg ist bei den kleinen Satelliten Vorreiter 

Schilling gilt als Pionier bei der Kleinsatelliten-Forschung, nachdem er lange in der Raumfahrtindustrie und anschließend an der Universität Würzburg tätig war. Der erste deutsche Pico-Satellit kam 2005 von Schillings Uni-Team und hieß «Uwe-1». Seine damalige Mission: Internet aus dem All zu ermöglichen. Seither wurden zahlreiche kleine Satelliten aus Würzburg – von der Universität, Forschungsinstituten, Industrie und Start-ups – in den Orbit gebracht.

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