Die Steuerfahndung hat die Geschäfts- und Privaträume der Unternehmerin und BestFans-Creatorin Anike Ekina durchsucht. Nach Angaben der Betroffenen waren zwischen 20 und 30 Beamte der sogenannten Task Force Social Media im Einsatz. Beschlagnahmt wurden Mobiltelefone, Server sowie Teile der geschäftlichen Infrastruktur. Der Geschäftsbetrieb sei dadurch vorübergehend vollständig ausgefallen.
„In diesem Moment merkst du: Hier geht es nicht mehr nur um Zahlen. Hier wird dein komplettes Leben auseinandergenommen", beschreibt Ekina die Situation.
Verdacht: Diskrepanz zwischen Followern und Umsätzen
Hintergrund der Ermittlungen ist der Verdacht, ihre mehr als drei Millionen Follower ließen auf deutlich höhere Umsätze schließen als steuerlich gemeldet. Ekina widerspricht: „Die hier konstruierten Schlussfolgerungen entsprechen nicht der tatsächlichen wirtschaftlichen Realität." Für die Jahre 2021 und 2022 steht ein Betrag von rund 229.000 Euro im Raum. Für 2023 besteht bislang lediglich ein Anfangsverdacht. Die Finanzbehörden haben einen Vermögensarrest in Höhe von 154.000 Euro erwirkt.
Die Ermittler hätten sich unter anderem auf automatisierte Analysen öffentlich verfügbarer Social-Media-Inhalte sowie auf Interviews und Podcast-Aussagen gestützt. Besonders eine Interviewpassage zu ihren Einnahmen sei relevant: „Ich wurde gefragt, was ich im Monat verdiene – und habe sechsstellig gesagt", erklärt Ekina. „Ich habe in dem Moment nicht darüber nachgedacht, weil ich intern immer in Jahresumsätzen rechne. Das war keine Absicht, sondern ungenau formuliert."
Kritik an Ermittlungsmethoden und internationale Steuerbesonderheiten
Die Berechnungslogik der Behörden sieht sie kritisch: „Es werden nur die Einnahmen gesehen – aber die komplette Struktur dahinter ignoriert." Zu internationalen Besonderheiten erläutert sie: „Bei Einnahmen aus Großbritannien über Plattformen wird die Umsatzsteuer bereits durch den Betreiber in die jeweiligen Länder abgeführt, in denen sie entsteht. Deshalb werden diese Beträge netto nach Deutschland ausgezahlt."
Der Fall reiht sich ein in eine bundesweite Schwerpunktaktion gegen Creator und Influencer. In Nordrhein-Westfalen wird von einem möglichen Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro ausgegangen, bundesweit sollen etwa 1.200 Ermittler mit entsprechenden Verfahren befasst sein. Ekina kündigt vollständige Aufklärung an: „Wir klären das transparent. Mit Zahlen, nicht mit Annahmen."