Spiegelglatte Eisflächen laden derzeit vielerorts zum Schlittern und Schlittschuhfahren auf zugefrorenen Seen ein. Doch das kann lebensgefährlich sein, warnt Dominik Schneider von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bayern. Denn ob das Eis wirklich trägt, lässt sich für Laien kaum beurteilen. Und oft kommt die Erkenntnis, dass es doch zu dünn ist, zu spät - wenn ein Mensch im Eis eingebrochen ist. Deshalb sollte man Eisflächen im Zweifel grundsätzlich meiden, betont Schneider.
Zwar gibt es Richtwerte zur Eisdicke, doch auch sie bieten keine verlässliche Sicherheit. Demnach tragen 10 Zentimeter Eis in der Regel eine einzelne, 15 Zentimeter Eis auch mehrere Personen. «Ab 25 Zentimeter kann man sagen, dass es safe ist», resümiert Schneider. «Das hängt aber auch von Strukturen ab. Wenn im Eis etwa viele Pflanzen eingeschlossen sind, setzt das die Tragfähigkeit vom Eis massiv nach unten.»
Gewässer mit Wasserbewegung besonders gefährlich
Besonders tückisch sind große Gewässer, fließende Gewässer und vor allem Stauseen. Wird dort zur Stromerzeugung Wasser abgelassen, bildet sich durch den sinkenden Wasserspiegel ein Hohlraum - und selbst eine dicke Eisdecke kann einbrechen.
Knackende Geräusche auf dem Eis sind derweil jedoch den Angaben zufolge nicht ungewöhnlich. Kritisch wird es aber, wenn deutliche Risse sichtbar werden. Dann sollte man nicht den direkten Weg zum Ufer nehmen, sondern schleunigst exakt so zurückgehen, wie man gekommen ist, rät Schneider - denn dort hat das Eis einen ja bereits getragen.
Was tun, wenn man selbst ins Eis einbricht?
Bricht man selbst ins Eis ein, ist Ruhebewahren das Wichtigste. Der Kälteschock ist laut den Experten heftig, aber aushaltbar. Wer jedoch hektisch strampelt oder wild um sich schlägt, verliert in kürzester Zeit seine Kraft. Stattdessen sollte man laut um Hilfe rufen. Sind andere Menschen in der Nähe, sollte man auf deren Unterstützung warten, denn jede unnötige Bewegung beschleunigt das Auskühlen.
Ist man auf sich alleine gestellt, sollte man versuchen, die Beine nach hinten und die Arme nach vorne auf das Eis zu bekommen, sich langzumachen und anschließend flach wie ein Brett seitlich aus der Einbruchstelle herauszurollen. Wenn das geschafft ist: Nicht aufstehen, sondern wegrollen oder robben - idealerweise in die Richtung, aus der man gekommen ist.
Der Versuch, sich mit den Armen hochzudrücken, ist laut Schneider meistens erfolglos: Das Eis wird nach unten gedrückt und bricht oft weiter ab. Zusätzlich schiebt man mit dem Oberkörper Wasser auf die Eisfläche, die dadurch noch rutschiger wird.
Was tun, wenn jemand anderes ins Eis eingebrochen ist?
«Bevor ich hirnlos drauflosrenne, erstmal kurz stehenbleiben, sich fünf Sekunden sammeln, im Kreis drehen und schauen, was ich hier alles an Hilfsmitteln habe», zählt Schneider auf. Niemals zum Unfallort rennen und dem Eingebrochenen auf zwei Beinen stehend die Hand reichen - die Gefahr, selbst einzubrechen oder von dem panischen Opfer ins Wasser gezogen zu werden, ist zu groß.
Stattdessen sollte man umgehend den Notruf 112 wählen. Dann sich mit Sicherheitsabstand flach auf das Eis legen und der eingebrochenen Person etwas zuwerfen, an dem er oder sie sich festhalten und herausziehen kann - etwa einen Schal, eine Jacke oder einen Gürtel. Ein Schlitten, der an der Leine gehalten wird, kann ebenso nützlich sein wie Rettungsringe, die an vielen Seen vorhanden sind. Entscheidend ist laut den Experten, dass die Helfenden im Notfall loslassen können.
Nach der Rettung nicht bewegen
Nach einer erfolgreichen Rettung sollte das Opfer sich möglichst wenig bewegen oder bewegt werden «um zu vermeiden, dass das kalte Blut aus den Armen und Beinen in den Körperstamm reinschießt und einen Herzinfarkt verursacht, weil das Herz mit dem kalten Blut nicht klarkommt», wie Schneider erklärt. Auch wenn der Unfall scheinbar glimpflich ausgegangen ist, muss wegen dieser Gefahr immer der Rettungsdienst die weitere Behandlung übernehmen.
Auch wenn die Einsatzkräfte bei Eisunfällen in Bayern oft mit dem Hubschrauber kommen und meist in einer Viertelstunde vor Ort sind, sollte der oder die Betroffene derweil mit warmen Kleidern oder einer Rettungsdecke umhüllt werden. Dadurch wird eine weitere Auskühlung vermieden.
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