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Nikotinprodukte: Von E-Zigaretten über Snus bis hin zu Kautabak - wie schnell kommt es zu einer Vergiftung?

Symbolbild Rauchen / pixabay Storme22k
Symbolbild Rauchen / pixabay Storme22k

Die neuen Nikotinprodukte sollen „moderner“ sein als die Zigarette, vor einer akuten Vergiftung schützen sie aber auch nicht. Schneller als gedacht kann es bei relativ geringen Mengen zu Magenverstimmung, Übelkeit und Kreislaufproblemen kommen.

Nikotin im Körper

Nikotin gelangt schnell über Schleimhäute, Lunge, Magen und Darm in den Blutkreislauf und bindet an spezielle Rezeptoren im Nervensystem. Damit steigen zunächst Puls und Blutdruck, eine subjektiv anregende Wirkung stellt sich ein. Bei höheren Dosen kippt der Effekt, der Kreislauf kann aus der Bahn geraten, Herz, Muskulatur und Atmung zeigen Störungen.

Bei einer Nikotinvergiftung beschreiben die Betroffenen zuerst ein allgemeines Unwohlsein. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, erhöhter Speichelfluss, Blässe, Kaltschweißigkeit. Bei schwerer Vergiftung kommen hinzu: Durchfall, Zittern, Unruhe, Kreislaufabfall, verlangsamter Herzschlag, Atembeschwerden, Krämpfe und schlimmstenfalls Bewusstlosigkeit bis zum Herz-Kreislauf-Stillstand.

Risikosituationen: E-Liquids, Snus, Kinder

In E-Zigaretten wird konzentrierte Nikotinlösung verwendet. In wenigen Millilitern Liquid ist mehr Nikotin enthalten als in einer Zigarette. In der Fachliteratur werden Symptome einer solchen Vergiftung hier bereits nach 15 bis 60 Minuten mit Erbrechen, Durchfall, beschleunigtem Puls und neurologischen Auffälligkeiten beschrieben. Rauchfreie Produkte wie Snus oder Nikotinbeutel werden über die Mundschleimhaut aufgenommen. Bei Anwendung und auch beim versehentlichen Schlucken gelangt ein Teil des Nikotins auch in den Magen. Die Bewertungen zeigen, dass einzelne Beutel, je nach Produkt, hohe Dosen enthalten können, in Einzelfällen bis zu 50 Milligramm Nikotin pro Anwendung, so dass schon wenige Portionen hintereinander bei ungewohnten Konsumenten deutliche Symptome bewirken können.

Besonders gefährdet sind wegen ihres geringeren Körpergewichts die Kinder. Bei verschluckten Zigaretten, Kippen oder Nikotinprodukten machen sich Beschwerden schneller bemerkbar. Giftnotrufstellen berichten von typischen Verläufen mit Erbrechen ein bis drei Stunden nach der Aufnahme, Blässe, verstärktem Speichelfluss, Unruhe, Zittrigkeit und Schwitzen und in schweren Fällen mit Bewusstseins- und Atmungsstörungen.

Dosis, Gewöhnung und Aufnahmepfad

Wie schnell es zu Beschwerden kommt, hängt von mehreren Dingen ab. Die Menge an aufgenommenem Nikotin, das Körpergewicht, der Grad an Gewöhnung, die Dauer der Aufnahme und der Weg, auf dem Nikotin in den Körper gelangt – das alles spielt eine Rolle. Geübte Raucher oder Nutzer von Nikotinprodukten vertragen höhere Dosen, weil ihre Rezeptoren und ihr Stoffwechsel sich am regelmäßigen Konsum orientiert haben, während Kinder und Nichtraucher empfindlicher reagieren.

Beim Dampfen von E-Zigaretten gelangt das Nikotin in erster Linie über die Lunge in den Körper. Ein Teil der Fachliteratur kommt zu dem Schluss, dass bei üblichem Gebrauch eine schwere Vergiftung durch Inhalation allein wenig wahrscheinlich ist. Die Aufnahme wird über die Zeit verteilt und der Körper zeigt Übelkeit oder Abneigung, bevor toxische Spitzenwerte erreicht sind. Gefährdungen ergeben sich dagegen durch den unsachgemäßen Gebrauch von hochkonzentrierten Liquids, etwa bei Selbstmischern oder wo zu wenig auf die Kindersicherung der Behälter geachtet wird.

Bei oraler Aufnahme wie bei verschluckten Zigaretten, Snus oder Nikotinbeuteln wird das Nikotin über Magen und Darm aufgenommen. Toxikologische Bewertungen arbeiten hier mit Schätzwerten von wenigen mg pro kg Körpergewicht, ab denen ein ernsthaftes Risiko für schwere Vergiftungsverläufe besteht. Kinder erreichen solche Dosen schneller, weil bereits einzelne Zigarettenstummel oder wenige Beutel im Vergleich zu ihrem Körpergewicht immer auch hohe Mengen enthalten.

Bei Verdacht auf eine akute Vergiftung gilt der Grundsatz, ruhig zu bleiben und geordnet vorzugehen. Betroffene sollten nicht allein gelassen werden, bewusste Personen möglichst in eine bequeme Position gebracht und Atmung sowie Bewusstsein regelmäßig überprüft werden. Ohne explizite Anweisung durch medizinisches Personal sollte kein Erbrechen ausgelöst werden, da dies zusätzliche Risiken mit sich bringen kann.​

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