Mut und Innovationskraft werden dem Intendanten des Theaters Regensburg, Sebastian Ritschel, bescheinigt. Auf dem Spielplan des Hauses stehen oft weniger bekannte Stücke. Die Strategie geht auf: Das Publikum lässt sich gerne überraschen und kommt auch dann, wenn eben keine Klassiker gespielt werden. Mit seiner Programmauswahl und seinem starken Ensemble sorgt das Theater über Regensburg hinaus für Aufsehen. Nun darf es sich gar «Bestes Opernhaus des Jahres 2025» und bald Staatstheater nennen – eine doppelte Ehre.
Verliehen wird der internationale «Oper! Award» in der Kategorie «Bestes Opernhaus des Jahres 2025» am kommenden Montag (23. Februar). «Mehr Neues als Bekanntes, umarmende Offenheit statt programmatischer Vorsicht und der unerschütterliche Glaube an die Existenzberechtigung des Musiktheaters in allen seinen Formen, Farben und Ausprägungen: Die Risikobereitschaft des Theaters Regensburg unter seinem Intendanten Sebastian Ritschel ist groß, seine Trefferquote aber enorm», schreibt Jury-Vorsitzender Ulrich Ruhnke.
Weiter heißt es: «Der Qualität folgt das Publikum, das Vertrauen, der Zuspruch – regional und längst auch bundesweit darüber hinaus. Die stets geforderte, selten konsequent realisierte Erweiterung des immer gleichen Repertoires – in Regensburg findet sie statt!»
Minister: Theater spielt in der ersten Liga
Auch Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) würdigt die Qualität des Theaters. Die Auszeichnungen seien kein Zufall, sondern das Ergebnis von Leidenschaft, Mut und künstlerischer Königsklasse. «Dieses Haus spielt längst in der ersten Liga.» Am 8. Mai erfolgt dem Ministerium zufolge die Ernennung zum Staatstheater. Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) spricht von einem Ritterschlag.
Und was sagt Intendant Ritschel? Der kreative Kopf des Theaters ist vielbeschäftigt und viel unterwegs. Etliche weitere Preise haben er und sein Team zuletzt einsammeln dürfen. Die Auszeichnung «Bestes Opernhaus des Jahres 2025» sei «die Sahnehaube und die Kirsche», weil mit ihr die Gesamtleistung angesprochen werde, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ritschel ist seit der Spielzeit 2022/23 Intendant in Regensburg, sein Vertrag wurde inzwischen bis 2032 verlängert.
«Wenn man als Theater Regensburg versucht, seine Arbeit so gut wie möglich zu machen, und dann plötzlich die Nachricht bekommt, dass man in den Augen der Jury in der gleichen Kategorie spielt wie Brüssel und Amsterdam, und das, obwohl man kein reines Musiktheater ist, sondern ein Mehrspartentheater, dann ist das überraschend und wunderbar.» Als Intendant und Operndirektor sei er «ein bisschen stolz». Zumal er in seinem Haus keine Sparte bevorzugen will, wie er sagt, und mit der Auswahl im Musiktheater «eher besonders streng» ist.
Das Publikum für Neues begeistern
Das, was am Theater Regensburg geboten werde, sei Überzeugungstäterschaft und das Ergebnis vieler Jahre Arbeit, so Ritschel. Der Zuspruch des regionalen und überregionalen Publikums zeige, wie viel Vertrauen sich das Team erarbeitet habe.
Das kann er auch immer wieder in Gesprächen spüren, denn: Regensburg sei eine vergleichsweise kleine Stadt, da sprächen einen auf der Straße Menschen an, die sagten: «Wir haben zwar keine Ahnung, worum es bei "The Ghosts of Versailles" geht, aber wenn es nur halb so gut ist wie das, was wir letztes Jahr gesehen haben und auch nicht kannten, dann muss es gut sein», so der Intendant. Aus seiner Sicht ist ein Spielplan wie ein Menü. «Da probiert man auch mal Dinge, die man noch nicht kennt.»
Was kann eine Auszeichnung wie die zum «Opernhaus des Jahres» bewirken? «Mir wird ja Mut unterstellt mit meinem Spielplan, und wenn so ein Preis dazu führt, dass mehr Menschen mutiger sind, dann wäre das natürlich sensationell», findet Ritschel. «Ich glaube daran, dass sich das Musiktheater erneuern muss und man nicht immer nur in den gleichen 30 Stücken gefangen sein sollte.»
Es gehöre auch mehr dazu als der Spielplan: Es gelte, ein Umfeld zu schaffen, auch den Aufbau des Ensembles betreffend, und nahbar für das Publikum zu sein. «Bei uns gibt es Einführung, Nachgespräche, Matineen, öffentliche Proben. Da ist das Publikum bereit, sich Stücken, die es nicht kennt, hinzugeben. Tatsächlich ist die Rückkehrerquote sehr hoch.» Ziel sei es, spartenübergreifend das bestmögliche Kulturangebot zu schaffen: «Ein Angebot, das den Grundhaushalt an Kulturhunger befriedigt.»
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