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Streife auf vier Hufen - Mit Pferdestärke gegen Kriminalität

Schon allein wegen ihrer Größe sind die beiden Polizeipferde Quickly (l) und Remus (r) von Weitem sichtbar. Das soll Kriminelle abschrecken und Bürgern ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.  / Foto: Daniel Löb/dpa
Schon allein wegen ihrer Größe sind die beiden Polizeipferde Quickly (l) und Remus (r) von Weitem sichtbar. Das soll Kriminelle abschrecken und Bürgern ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. / Foto: Daniel Löb/dpa

Polizeipferde gehen nun im Brennpunktviertel am Nürnberger Hauptbahnhof auf Streife. Kinder sind begeistert, Anwohner fühlen sich sicherer. Und die Kriminellen?

Wenn Remus und Quickly am Nürnberger Hauptbahnhof Streife laufen, bekommen sie viel Aufmerksamkeit. Immer wieder bleiben Leute stehen und zücken ihre Handys, um Fotos zu machen: Zwei Pferde mitten in der Stadt, das ist schon ungewöhnlich. Doch es gibt auch Menschen, die die Flucht ergreifen, sobald sie die beiden großen Tiere erblicken. Denn Remus und Quickly sind Polizeipferde. 

Seit März sind die beiden Wallache regelmäßig auf der Rückseite des Hauptbahnhofs unterwegs, die als Kriminalitätsbrennpunkt in Nürnberg gilt. Anfangs war das Ganze ein Pilotprojekt des Polizeipräsidiums Mittelfranken, ergänzend zur Videoüberwachung und den eh schon verstärkten Polizeistreifen in der Umgebung. Doch inzwischen sind die Polizeipferde dort fast täglich im Einsatz. Die Reiterstaffel habe die Lage zusätzlich beruhigen können, sagt Polizeisprecher Michael Sebald. 

Begehrte Selfie-Motive

Deren Wirkung zeigt sich bereits, als der Pferdetransporter an diesem Vormittag am Nelson-Mandela-Platz hinter dem Bahnhof vorfährt. Schnell steht ein Mann von einer Bank auf und entfernt sich. Als Remus und Quickly dann langsam die Rampe herunterlaufen, bildet sich schnell eine Traube von Schaulustigen. Ein kleiner Junge streichelt vorsichtig Remus, ein Mädchen lässt sich von ihrer Mutter neben Quickly fotografieren. 

«Wie man sieht, man kommt gar nicht weit, weil man sofort angesprochen wird», sagt Polizeireiterin Katharina Lorenz lachend, während sie und ihre Kollegin Caroline Lehl die Pferde für den Streifendienst fertig machen. Beide tragen eine leuchtend gelbe Decke, wodurch diese schon von Weitem zu sehen sind. «Wir wollen, dass die Bürger uns sehen und wir wollen die Dienststellen, die hier täglich im Einsatz sind, mit den Pferden unterstützen», erläutert Lorenz. 

Die Menschen sollen sich dadurch am Bahnhof und in dem nahe gelegenen Park sicherer fühlen. Außerdem sollen die imposanten Tiere Kriminelle abschrecken. Dass das funktioniert, kann Sebald bestätigen. «Wir haben eine deutliche Abwanderung von der betreffenden Klientel feststellen können und auch Straftaten sind größtenteils zurückgegangen», sagt Sebald. 

So empfindet es auch eine Nürnbergerin, die in der Nähe des Bahnhofs arbeitet und gerade Mittagspause in dem Park macht. «Teilweise fühlt man sich hier nicht sicher», sagt sie. Wegen der Drogen-Szene und weil man zu jeder Tageszeit von Betrunkenen angepöbelt werde, erläutert sie. Doch seitdem die Pferde in der Gegend unterwegs seien, sei davon weniger zu sehen. 

Die Reiterstaffel in Nürnberg gibt es seit 2018 und umfasst nach Angaben des Innenministeriums 20 Pferde. Insgesamt stehen bei der bayerischen Polizei aktuell 63 Pferde im Dienst, der Großteil davon in München. «Sie leisten im täglichen Dienst einen wesentlichen Beitrag zur Polizeiarbeit», heißt es vom Ministerium. Sie helfen zum Beispiel bei der Suche nach Vermissten, unterstützen bei Fußballspielen, Konzerten und Demonstrationen oder sorgen im Englischen Garten in München für Sicherheit. 

Pferdestarker Einsatz mitten im Großstadttrubel

Auf Streife sind Polizeipferde in Mittelfranken bisher vor allem am Wöhrder See in Nürnberg oder dem Fürther Stadtpark gegangen - also in eher idyllischen Umgebungen verglichen mit dem Verkehrsknotenpunkt Nürnberger Hauptbahnhof, an dem ständig Autos, Tram-Bahnen und Busse vorbeirauschen und viele Tausend Menschen täglich unterwegs sind. 

Remus und Quickly bleiben trotzdem ganz entspannt, jahrelanges Training hat sie an Einsätze inmitten von so viel Trubel gewöhnt. Ungerührt warten die beiden Tiere neben Fahrrädern an einer Fußgängerampel, schreiten zwischen Autos über die Straße, bleiben immer wieder geduldig für Selfies stehen. Selbst drei aufgeregte junge Männer können die Pferde nicht aus der Ruhe bringen, die Katharina Lorenz und Caroline Lehl an diesem Vormittag als Erstes kontrollieren. Diese waren den Polizistinnen verdächtig vorgekommen. 

Während der Kontrolle bleiben die beiden Polizistinnen die ganze Zeit im Sattel sitzen, lassen sich die Ausweise hochreichen, überprüfen Angaben zur Identität per Funk. Am Ende erteilen sie den jungen Männern Platzverweise. «Die Platzverweise dienen hier auch dem Abschreckungseffekt», erläutert Lorenz. Dadurch wolle die Polizei verhindern, dass sich eine bestimmte Szene etabliere. Später werden noch weitere Männer aus diesem Grund Platzverweise erhalten. 

Nach drei Stunden ist die Schicht der Pferde zu Ende, ihren Feierabend dürfen Remus und Quickly auf der Koppel verbringen. Auch Lorenz ist zufrieden: Es habe keine Situation gegeben, die gefährlich gewesen sei. Daran könne man sehen, dass der Einsatz der Reiterstaffel und die Präsenz der Polizei Wirkung zeigten, sagt sie. 

Dass die Kriminalität damit nicht verschwindet, sondern sich an einen anderen Ort verlagert, gibt Polizeisprecher Sebald zu. «Den Verdrängungseffekt hat man immer. Dann muss man die Lage wieder anpassen.» Ob Polizeipferde künftig auch in anderen Brennpunktvierteln patrouillieren werden? Das müsse im Einzelfall geprüft werden und hänge von mehreren Faktoren vor Ort ab, heißt es dazu aus dem Innenministerium.

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