Weniger Arbeitslose als im Vormonat, aber deutlich mehr als noch vor einem Jahr – und die Regionaldirektion spricht von einer «Flaute im Frühling». Die traditionelle Erholung des Arbeitsmarkts im Frühjahr fällt in diesem Jahr im Freistaat nur gedämpft aus.
Die Zahlen im Überblick
In Bayern sank die Zahl der Arbeitslosen im März im Vergleich zum Februar zwar um 11.758 auf 329.303. Dennoch ist das der höchste Stand für einen März seit 2010, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren rund 9.800 Menschen weniger ohne Job als aktuell. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent nach 4,4 Prozent im Februar.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen gibt die Regionaldirektion mit 82.527 an – das sind 11,3 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Das sagt der Chef der Regionaldirektion
«Abbau statt Aufwind – die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt wird von der konjunkturellen Flaute spürbar ausgebremst», kommentierte Markus Schmitz, Chef der Regionaldirektion, die Zahlen. «Daneben verstetigt sich der seit Herbst stattfindende Beschäftigungsrückgang. Auch wenn sich die negative Entwicklung am bayerischen Arbeitsmarkt verlangsamt, kann man noch nicht von einem Richtungswechsel sprechen.» Wer arbeitslos sei, für den bleibe es derzeit schwierig, «eine neue Arbeit zu finden».
Wirtschaft sieht Risiken
Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) fürchtet, dass gestiegene Konjunkturrisiken wie der Iran-Krieg sich künftig weiter negativ auf die Bereitschaft der Unternehmen auswirken könne.
«Die geopolitischen Krisen verstärken die bestehenden Probleme am Wirtschaftsstandort Bayern weiter. Besonders betroffen ist das verarbeitende Gewerbe, aber auch alle anderen Branchen spüren die Auswirkungen. Unser Standort hat aber insgesamt an Wettbewerbsfähigkeit verloren und ist international nicht mehr konkurrenzfähig», sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
DGB fordert «aktive Industriepolitik»
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern erkennt eine kritische Kombination aus konjunktureller Flaute, strukturellem Stellenabbau und neuen Belastungen durch die steigenden Energiepreise. Noch halte sich der Arbeitsmarkt in Bayern stabil, sagte der bayerische DGB-Chef Bernard Stiedl. «Wenn weiter Arbeitsplätze wegfallen, die Zahl offener Stellen sinkt und gleichzeitig ein neuer Energiepreisschock droht, dann reicht Abwarten nicht aus. Jetzt braucht es Investitionen, faire Energiepreise und eine aktive Industriepolitik.»
Ministerin blickt aufs Arbeitszeitrecht
Arbeitsministerin Ulrike Scharf forderte «grundlegende Veränderungen» – und blickte auf Arbeitszeitrecht. «Flexible Arbeitszeiten müssen möglich sein.» Der im Koalitionsvertrag vereinbarte Entwurf für ein «modernes Arbeitszeitgesetz» müsse schnell kommen. «Dabei geht es nicht darum, dass Beschäftigte insgesamt mehr, sondern dass sie flexibler arbeiten können. Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten steht dabei immer an erster Stelle», sagte die CSU-Politikerin.
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